wittert. Sine ira et Studio, rein psychologisch von ihmzu handeln, könnte fast unmoralisch scheinen ange-sichts des Unsäglichen, das dies unglückselige Volkder Welt angetan hat. Sollte man als Deutscher heutedies Thema meiden? Aber ich hätte kaum gewußt,welches denn sonst ich mir für diesen Abend hättesetzen sollen, ja, mehr noch, es ist heute kaum irgend-ein über das Private sich erhebendes Gespräch denk-bar, das nicht fast unvermeidlich auf das deutscheProblem, das Rätsel im Charakter und Schicksal die-ses Volkes verfiele, welches der Welt unleugbar soviel Schönes und Großes gegeben hat und ihr dabeiimmer wieder auf so verhängnisvolle Weise zur Lastgefallen ist. Das grausige Schicksal Deutschlands, dieungeheuere Katastrophe, in die seine neuere Ge-schichte jetzt mündet, erzwingt Interesse, auch wenndies Interesse sich des Mitleids weigert. Mitleid erre-gen zu wollen, Deutschland zu verteidigen und zuentschuldigen wäre gewiß für einen deutsch Gebore-nen heute kein schicklicher Vorsatz. Den Richter zuspielen, aus Willfährigkeit gegen den unermeßlichenHaß, den sein Volk zu erregen gewußt hat, es zu ver-fluchen und zu verdammen und sich selbst als das„gute Deutschland“ zu empfehlen, ganz im Gegensatzzum bösen, schuldigen dort drüben, mit dem mangarnichts zu tun hat, das scheint mir einem auch nichtsonderlich zu Gesichte zu stehen. Man hat zu tun mitdeutschem Schicksal und deutscher Schuld, wenn man
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