übertrieb nicht, wenn er sich „ein Verhängnis" nannte.Seine Einsamkeit hat er ästhetisch übertrieben. Er gehörtallerdings in extrem deutscher Gestalt, einer allgemeinabendländischen Bewegung an, die Namen wie Kierkegaard,Bergson und viele andere zu den Ihren zählt und einegeistesgeschichtliche Revolte ist gegen den klassischen Ver-* nunftglauben des achtzehnten und neunzehnten Jahrhun-derts. Sie hat ihr Werk getan - oder nur insofern nochnicht vollendet, als seine notwendige Fortsetzung dieRekonstituierung der menschlichen Vernunft auf neuerGrundlage, die Eroberung eines Humanitätsbegriffes ist,der gegen den selbstgefällig verflachten der Bürgerzeit anTiefe gewonnen hat.
Die Verteidigung des Instinkts gegen Vernunft und Be-wußtheit war eine zeitliche Korrektur. Die dauernde, ewignotwendige Korrektur bleibt die des Lebens durch den/ Geist — oder die Moral, wenn man will. Wie zeitgebunden,wie theoretisch auch, wie unerfahren mutet uns NietzschesRomantisierung des Bösen heute an! Wir haben es in seinerganzen Miserabilität kennengelernt und sind nicht mehrÄstheten genug, uns vor dem Bekenntnis zum Guten zufürchten, uns so trivialer Begriffe und Leitbilder zuschämen wie Wahrheit, Freiheit, Gerechtigkeit. Zuletzt ge-hört der Ästhetizismus, in dessen Zeichen die freien Geistersich gegen die Bürger-Moral wandten, selbst dem bürger-lichen Zeitalter an, und dieses überschreiten, heißt heraus-treten aus einer ästhetischen Epoche in eine moralische undsoziale. Eine ästhetische Weltanschauung ist schlechterdingsunfähig, den Problemen gerecht zu werden, deren Lösunguns obliegt, — so sehr Nietzsches Genie dazu beigetragen
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