A ls zu Anfang des Jahres 1889 von Turin und Basel herdie Nachricht von Nietzsches geistigem Zusammen-bruch sich verbreitete, mag mancher von denen, die, überEuropa hin verstreut, bereits ein Wissen um die schicksals-volle Größe des Mannes hatten, Ophelias Klageruf bei sichwiederholt haben: •
„O, what a nöble mind is here o'erthrown!"
„O, welch ein edler Geist ist hier zerstört!"
Und auch von den Kennzeichnungen der nachfolgendenVerse, die das schauerliche Unglück bejammern, daß solchehochgebietende Vernunft, durch Schwärmerei zerrüttet,„blasted by ecstasy", nun mißtönt wie verstimmte Glocken,treffen viele genau auf Nietzsche zu, — nicht zuletzt dieWendung, in welche die Trauernde ihre Lobpreisung zu-sammenfaßt: „The observ'd of all observers", was Schlegelübersetzt: „Das Merkziel der Betrachter." Wir würdendafür das Wort „faszinierend" gebrauchen, und wahrlich,nach einer Gestalt, faszinierender als die des Einsiedlersvon Sils Maria, sieht man sich in aller Weltliteratur undGeistesgeschichte vergebens um. Es ist aber eine Faszina-tion, derjenigen nahe verwandt, die von Shakespeares Cha-rakterschöpfung, dem melancholischen Dänenprinzen, durchdie Jahrhunderte ausgeht.
Nietzsche, der Denker und Schriftsteller, „the mould ofform" oder „der Bildung Muster", wie Ophelia ihn nennen
o