Druckschrift 
Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrung
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

beschrieben und empfohlen werden mit einer Genüßlich-keit, die ihre Spuren in zeitgenössischer deutscher Literaturhinterlassen hat. Es grenzt ans Gemeine, wennZärtlingenzum Trost" die geringere Schmerzfähigkeit niedriger. Ras-sen, der Neger etwa, zu bedenken gegeben wird. Undwenn dann der Sang von derblonden Bestie" sich erhebt,dem frohlockenden Ungeheuer", dem Typus Mensch, dervon der scheußlichen Abfolge von Mord, Niederbren-nung, Schändung, Folter mit Übermut heimkommt wie voneinem Studentenstreich", so ist das Bild des infantilenSadismus vollkommen, und unsere Seele windet sich inPein.

Es ist der Romantiker Novalis, ein Geist von NietzschesFamilie also, der die schlagendste Kritik dieser Geisteshal-tung gegeben hat.Das Ideal der Sittlichkeit", sagt er,hatkeinen gefährlicheren Nebenbuhler als das Ideal der höch-sten Stärke, des kräftigsten Lebens, das man auch das Idealder ästhetischen Größe (im Grunde sehr richtig, der Mei-nung nach aber sehr falsch) benannt hat. Es ist das Maxi-mum des Barbaren und hat leider in diesen Zeiten verwil-dernder Kultur gerade unter den größten Schwächlingensehr viele Anhänger erhalten. Der Mensch wird durchdieses Ideal zum Tier-Geiste, eine Vermischung, deren bru-taler Witz eben eine brutale Anziehungskraft für Schwäch-linge hat."

Das ist nicht zu übertreffen. Hat Nietzsche die Stelle ge-kannt? Man kann nicht daran zweifeln. Aber er hat sichdurch sie in seinen trunkenen, bewußt trunkenen unddarum im Grunde nicht ernst gemeinten Provokationen desIdeals der Sittlichkeit" nicht stören lassen. Was Novalis

s»*

t

37