Korrektur. Als ob es nötig wäre, das Leben gegen denGeist zu verteidigen! Als ob die geringste Gefahr bestünde,daß es je zu geistig zugehen köhnte auf Erden! Die ein-fachste Generosität sollte dazu anhalten, das schwacheFlämmchen der Vernunft, des Geistes, der Gerechtigkeit zuhüten und zu schützen, statt sich auf die Seite der Machtund des instinkthaften Lebens zu schlagen und sich in einerkorybantischen Überschätzung seiner „verneinten" Seiten,des Verbrechens zu gefallen, — dessen Schwachsinn wirHeutigen erlebt haben. Nietzsche tut — und hat damit vielUnheil angerichtet —, als sei es das moralische Bewußtsein,das dem Leben, wie Mephistopheles, die kalte Teufels-faust entgegenstrecke. Für mein Teil sehe ich nichts beson-ders Teuflisches in dem Gedanken (einem alten Mystiker-Gedanken), daß einmal durch den Menschengeist dasLeben aufgehoben werden könnte, — womit es ja gute,unendlich gute Weile hat. Die Gefahr, daß das Leben aufdiesem Stern sich durch die Vervollkommnung der Atom-bombe selber aufhebt, ist wesentlich dringender. Aber auchdas ist unwahrscheinlich. Das Leben ist eine zähe Katze,und eine solche ist die Menschheit.
Der zweite von Nietzsches Irrtümern ist das ganz und garfalsche Verhältnis, in das er Leben und Moral zueinanderbringt, wenn er sie als Gegensätze behandelt. Die Wahr-heit ist, daß sie zusammengehören. Ethik ist Lebensstütze,und der moralische Mensch ein rechter Lebensbürger, —vielleicht etwas langweilig, aber höchst nützlich. Der wahreGegensatz ist der von Ethik und Ästhetik. Nicht die Moral,die Schönheit ist todverbunden, wie viele Dichter gesagtund gesungen haben, - und Nietzsche sollte es nicht wis-
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