ihrem Nachteil für das Leben, das teure, heilige, ästhetischgerechtfertigte, die Rede ist. Man hat das neunzehnte Jahr-huncjert das historische Zeitalter genannt, .und in Wahrheithat es den historischen Sinn überhaupt erst hervorgebrachtund entwickelt, von dem frühere Kulturen, eben als Kul-turen, als künstlerisch in sich geschlossene Lebenssysteme,wenig oder garnichts wußten.. Nietzsche spricht geradezuvon der „historischen Krankheit", die das Leben und seineSpontaneität zum Erlahmen bringe. Bildung, das sei heut-zutage historische Bildung. Aber die Griechen hätten über-haupt keine historische Bildung gekannt, und man werde jawohl Anstand nehmen, die Griechen ungebildet zu nennen.Historie, um der reinen Erkenntnis willen, nicht zum Zweckedes Lebens betrieben und ohne das Gegengewicht „pla-stischer Begabung", schöpferischer Unbefangenheit, istmörderisch, ist der Tod. Ein historisches Phänomen in seinerErkanntheit — ist tot. Um eine wissenschaftlich erkannteReligion zum Beispiel ist es geschehen, sie ist am Ende. Diehistorisch-kritische Behandlung des Christentums, sagtNietzsche mit konservativer Besorgnis, löst es in reinesWissen um das Christentum auf. Bei der historischen Prü-fung der Religion, sagt er, „kommen Dinge zu Tage, diedie pietätvolle Illusionsstimmung, in der alles, was Lebenwill, allein leben kann, notwendig zerstören". Nur in Liebe,umschattet von der Illusion der Liebe, schafft der Mensch.Historie müßte als Kunstwerk traktiert werden, um kultur-schöpferisch zu sein, — aber das liefe dem analytischen undunkünstlerischen Zug der Zeit zuwider. Historie treibt dieInstinkte aus. Von ihr gebildet, oder verbildet, vermag derMensch nicht mehr, „die Zügel hängen zu lassen" und naiv
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