zu handeln, dem „göttlichen Tier" vertrauend. Historieunterschätzt stets das Werdende und lähmt die Tat, dieimmer Pietäten verletzen muß. Was sie lehrt und schafft,ist Gerechtigkeit. Aber das Leben braucht keine Gerechtig-keit, es braucht Ungerechtigkeit, es ist wesentlich ungerecht.„Es gehört sehr viel Kraft dazu", sagt Nietzsche (und manzweifelt, ob er sich diese Kraft zutraut), „leben zu könnenund zu vergessen, inwiefern leben und ungerecht sein einssind." Auf das Vergessen-können aber kommt alles an. Erwill das Unhistorische: die Kunst und Kraft, vergessen zukönnen und sich in einen begrenzten Horizont einzuschlie-ßen, — eine Forderung, leichter erhoben als erfüllt, somöchte man hinzusetzen. Denn mit einem begrenztenHorizont wird man geboren, sich künstlich darin einzu-schließen, ist eine ästhetische Mummerei und eine Ver-leugnung des Schicksals, aus der schwerlich etwas Echtesund Rechtes kommen kann. Aber Nietzsche, sehr schönerund edler Weise, will das Tiberhistorische, welches denBlick vom Werden ablenkt hin zu dem, was dem Daseinden Charakter des Ewigen und Seienden gibt, zu Kunstund Religion. Der Feind ist die Wissenschaft, denn siesieht und kennt nur Historie und Werden, kein Seiendes,Ewiges; sie haßt das Vergessen als den Tod des Wissensund sucht alle Horizont-Umschränkungen aufzuheben.Alles Lebendige aber braucht eine schützende Atmosphäre,einen geheimnisvollen Dunstkreis und umhüllendenWahn.Ein durch Wissenschaft beherrschtes Leben ist viel wenigerLeben als eines, das nicht durch Wissen, sondern, durchInstinkte und kräftige Wahnbilder beherrscht wird ...
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