bewußt ist, den Feind des Dionysos und den Mörder derTragödie. Von ihm stammt, nach Nietzsche, eine alexan-drinische Wissenschaftskultur, blaß, gelehrtenhaft, mythos-fremd, lebensfremd, eine Kultur, in der Optimismus undVernunftglaube gesiegt haben, der praktische und theore-tische Utilitarismus, .welcher, gleich der Demokratie selbst,ein Symptom absinkender Kraft und der physiologischenErmüdung ist. Der Mensch dieser sokratischen, anti-tra-gischen Kultur, der theoretische Mensch, will nichts mehrganz haben, mit aller natürlichen Grausamkeit der Dinge,verzärtelt wie er ist durch optimistische Betrachtung. Aber,so hält der junge Nietzsche sich überzeugt, die Zeit dessokratischen Menschen ist vorüber. Ein neues Geschlecht,heroisch, verwegen, verachtungsvoll gegen alle Schwächlich-keitsdoktrinen, betritt den Schauplatz, ein allmähliches Er- •wachen des dionysischen Geistes ist festzustellen in unserergegenwärtigen Welt, der Welt von 1870, aus den diony-sischen Tiefen des deutschen Geistes, der deutschen Musik,der deutschen Philosophie, vollzieht sich die Wiedergeburtder Tragödie.
Er hat sich später über seinen Glauben von damals an dendeutschen Geist verzweifelt lustig gemacht — und darüber,was er alles in ihn hineingelegt hat, nämlich sich selbst. Erselbst, in der Tat, ist in diesem noch mild-human, nochschwärmerisch-romantisch getönten Vorspiel seiner Philo-sophie schon vollständig enthalten, und auch die Welt-Per-spektive, der Blick auf die abendländische Gesamtkultur istschon da, wenn es ihm auch vor allem noch um die deutscheKultur zu tun ist, an deren hohe Sendung er glaubt, die eraber in größter Gefahr sieht, durch Bismarcks Machtstaats-
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