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Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrung
Entstehung
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nistischer Überlieferung allmählich in einen unheimlichmondänen und hektisch heiteren, zuletzt mit der Schellen-kappe des Weltenspaßmachers sich schmückenden über-Feuilletonismus entartet.

Nicht genug aber ist die vollkommene Einheitlichkeit undGeschlossenheit von Nietzsches Lebenswerk zu betonen.In der Nachfolge Schopenhauers, dessen Schüler er blieb,auch als er den Meister längst verleugnet hatte, hat ereigentlich sein Leben lang nur einen überall gegenwärtigenGedanken variiert, ausgebaut, eingeprägt, welcher, anfangsin voller Gesundheit und mit unbestreitbar zeitkritischerBerechtigung auftretend, im Lauf der Jahre einer mäna-dischen Verwilderung anheimfällt, so daß man NietzschesGeschichte die Verfallsgeschichte dieses Gedankens nennenkann.

Welcher ist es? Man muß ihn in seine Ingredienzien,seine in ihm streitenden Teile zerlegen, um ihn zu ver-stehen. Sie heißen, bunt durcheinander aufgeführt: Leben,Kultur, Bewußtsein oder Erkenntnis, Kunst, Vornehmheit,Moral, Instinkt. In diesem Ideenkomplex dominiert derBegriff der Kultur. Er ist dem Leben selbst fast gleich-gesetzt: Kultur, das ist die Vornehmheit des Lebens, undmit ihr verbunden, als, ihre Quellen und Bedingungen, sindKunst und Instinkt, während als Todfeinde und Zerstörervon Kultur und Leben Bewußtsein und Erkenntnis, dieWissenschaft und endlich die Moral figurieren, dieMoral, welche als Wahrerin der Wahrheit dem Leben ansLeben geht, da dieses ganz wesentlich auf Schein, Kunst,Täuschung, Perspektive, Illusion beruht und der Irrtum derVater des Lebendigen ist.

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