Lebens schreibt er eine Seite über den „Tristan", die vonBegeisterung vibriert. Andererseits hat er schon zur Zeitseiner scheinbar unbedingtesten Wagner-Jüngerschaft, be-vor er für die Außenwelt die Festschrift ,> Richard Wagnerin Bayreuth" verfaßte, gegen Baseler Vertraute Äußerungenüber den „Lohengrin" getan - von so distanziertem Scharf-blick, daß sie über anderthalb Jahrzehnte hin den „FallWagner" vorwegnahmen. In Nietzsches Verhältnis zuWagner ist kein Bruch, was man auch sagen möge. DieWelt will immer einen Bruch sehen im Leben und Werkgroßer Männer. Sie fand ihn bei Tolstoi, wo alles eiserneKonsequenz, alles Späte im Frühen psychologisch vor-gebildet ist. Sie fand ihn bei Wagner selbst, in dessen Ent-wicklung die gleiche unverbrüchliche Kontinuität und Logikwaltet. Es ist mit Nietzsche nicht anders. So sehr seingrößtenteils aphoristisches Werk in tausend farbigen Fa-zetten spielt, so viel an der Oberfläche liegende Wider-sprüche ihm nachzuweisen sind, — er war von Anfang ganzda, war immer derselbe, und in den Schriften des jugend-lichen Professors, den „Unzeitgemäßen Betrachtungen",der „Geburt der Tragödie", der Abhandlung „Der Philo-soph" von 1873, liegen nicht nur die Keime seiner späterenLehrbotschaft, sondern diese, eine frohe Botschaft nachseiner Meinung, ist bereits vollkommen und fertig in ihnenenthalten. Was sich ändert, ist allein die Akzentuierung,die immer frenetischer, die Stimmlage, die immer schriller,die Gebärde, die immer grotesker und fürchterlicher wird.Was sich ändert, ist die Schreibweise, die, hochmusikalischvon jeher, aus der würdigen, etwas altfränkisch-gelehrten-haft gefärbten Zucht und Gebundenheit deutsch-huma-
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