üble Histrione, der verderbte Verderber war, als denNietzsche ihn hundertmal gesdhildert hat? — Bei seinemFreunde, dem Musiker Peter Gast, entschuldigt er sichwegen seiner beständigen Auseinandersetzung mit demChristentum: es sei eben das beste Stück idealen Lebens,
• das er wirklich kennengelemt habe. Zuletzt sei er derNachkomme ganzer Geschlechter von christlichen Geist-lichen und glaube, „nie in seinem Herzen gegen dasChristentum gemein gewesen" zu sein. Nein, aber er hates mit sich überschlagender Stimme „den einen unsterb-lichen Schandfleck der Menschheit" genannt — nicht ohnesich zugleich über die Behauptung lustig zu machen, daßder Germane irgendwie für das Christentum vorgebildetund vorbestimmt gewesen sei: Der faule, aber kriegerischeund raubsüchtige Bärenhäuter, der sinnlich kalte Jagdlieb-haber und Biertrinker, der es nicht höher als bis zu einerrechten urtd schlechten Indianerreligion gebracht und nochvor zehnhundert Jahren Menschen auf Opfersteinen ge-schlachtet habe, — was habe er zu schaffen mit der höchsten,von Rabbinerverstand geschärften moralischen Subtilität,mit der orientalischen Feinheit des Christentums! — DieWertverteilung ist klar und erheiternd. Seiner Autobio-graphie gibt der „Antichrist" den allerchristlichsten Titel„Ecce Homo". Und letzte Wahnsinnszettel unterzeichneter „Der Gekreuzigte".
Man kann sagen, daß Nietzsches Verhältnis zu den Vor-zugsgegenständen seiner Kritik schlechthin das der Leiden- ■Schaft war: einer Leidenschaft im Grunde ohne bestimmtesVorzeichen, denn das negative wechselt beständig'ins posi-tive hinüber. Noch kurz vor dem Ende seines geistigen
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