obersten Ranges, dessen Genie zur Zeit von „Jenseits vonGut und Böse" und der „Genealogie der Moral" aufseinen Scheitelpunkt kam. Ein Dichter mag weniger seinals solch ein Kritiker, aber zu diesem Weniger reichte esnicht, oder doch nur in einzelnen lyrischen Augenblicken,nicht für ein ausgedehntes Werk von kreativer Ursprüng-lichkeit. Dieser gesicht- und gestaltlose Unhold und Flügel-mann Zarathustra mit der Rosenkrone des Lachens aufdem unkenntlichen Haupt, seinem „Werdet hart!" undseinen Tänzerbeinen ist keine Schöpfung, er ist Rhetorik,erregter Wortwitz, gequälte Stimme und zweifelhafte Pro-. phetie, ein Schemen von hilfloser Grandezza, oft rührendund allermeist peinlich — eine an der Grenze des Lächer-lichen schwankende Unfigur.
Indem ich so spreche, erinnere ich mich an die verzweifelteGrausamkeit, mit der Nietzsche über vieles, eigentlich überaltes ihm Ehrwürdige gesprochen hat: über Wagner;, überdie Musik im allgemeinen, über die Moral, über dasChristentum — ich hätte beinahe gesagt: auch über dasDeutschtum — und wie er offenbar bei den wütendstenkritischen Ausfällen gegen diese im Innersten stets hoch-gehaltenen Werte und Mächte offenbar nicht das Gefühlhatte, ihnen wirklich zu nahe zu treten, sondern, wie esscheint, die fürchterlichsten gegen sie geschleuderten Be-leidigungen als eine Form der Huldigung empfand, überWagner hat er Dinge gesagt, daß man seinen Sinnen nichttraut, wenn im „Ecce homo" plötzlich von der heiligenStunde die Rede ist, in der Richard Wagner in Venedigstarb. Wieso, fragt man sich, Tränen in den Augen, istdiese Sterbestunde auf einmal „heilig", wenn Wagner der
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