Brieflich nennt er sich „einen Menschen, der nichts mehrwünscht, als täglich irgend einen beruhigenden Glaubenzu verlieren, der in dieser täglich größeren Befreiung desGeistes sein Glück sucht und findet. Vielleicht daß ich sogarnoch mehr Freigeist sein will, als ich es sein kann!“ — Dasist ein Geständnis, sehr früh, schon 1876, abgelegt; es istdie Antizipation seines Schicksals, seines Zerbrechens; dasVorwissen eines Menschen, der getrieben sein wird, sichan Erkenntnis Grausameres zuzumuten, als sein Gemütertragen kann, und der der Welt das Schauspiel einererschütternden Selbstkreuzigung bieten wird.
Unter sein Werk hätte er wohl, wie jener Maler, schreibenkönnen: „In doloribus pinxi." In mehr als einem Sinn, demgeistigen wie dem körperlichen, hätte er damit die Wahrheitgesagt. 1880 bekennt er dem Arzt Dr. Eisen „Meine Exi-stenz ist eine fürchterliche Last: ich hätte sie längst vonmir abgeworfen, wenn ich nicht die lehrreichsten Probenund Experimente auf geistig-sittlichem Gebiete gerade indiesem Zustande des Leidens und der fast absoluten Ent-sagung machte ... Beständiger Schmerz, mehrere Stundendes Tags ein der Seekrankheit eng verwandtes Gefühl, eineHalblähmung, wo mir das Reden schwer wird, zur Ab-wechslung wütende Anfälle (der letzte nötigte mich, dreiTage und Nächte lang zu erbrechen, ich dürstete nach demTode) ... Könnte ich Ihnen das fortwährende beschreiben,den beständigen Schmerz und Druck im Kopf, auf denAugen, und jenes lähmungsartige Gesamtgefühl vom Kopfbis in die Fußspitzen* .. ." — Seine scheinbar vollkommeneUnwissenheit — und die seiner Ärzte obendrein! —über dieNatur und Quelle dieser Leiden ist schwer zu begreifen.
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