Daß sie vom Gehirn ausgehen, wird ihm allmählich zurGewißheit, und er hält sich hier für hereditär belastet: Sein.Vater, meint er, sei an „Gehirnerweichung" zugrunde ge-gangen,-was bestimmt nicht wahr ist; der Pastor Nietzschestarb durch einen bloßen Unfall an einer Gehimverletzungdurch einen Sturz. Jenes völlige Nicht-Wissen aber, oderdie Dissimulation des Wissens von dem Ursprung seinerKrankheit ist nur aus der Tatsache zu erklären, daß sie mitseinem Genie verschränkt und verbunden war, daß diesessich mit ihr entfaltete - und daß altes einem genialenPsychologen zum Objekt demaskierender Erkenntnis wer-den kann, nur nicht das eigene Genie.
Es ist vielmehr der Gegenstand staunender Bewunderung,überschwenglichen Selbstgefühls, krasser Hybris. In vollerNaivität verherrlicht Nietzsche die beseligende Kehrseiteseines Leidens, diese euphorischen Schadloshaltungen undÜberkompensationen, die zum Bilde gehören. Er tut es amgroßartigsten in dem fast schon hemmungslosen Spätwerk„Ecce homo", dort, wo er den körperlich und geistig un-erhört gehobenen Zustand preist, worin er in unglaublichkurzer Zeit seine Zarathustra-Dichtung hervorbrachte. DieSeite ist ein stilistisches Meisterstück, sprachlich ein wahrertour de force, zu vergleichen nur etwa der wundervollenAnalyse des Meistersinger-Vorspiels in „Jenseits von Gutund Böse" und der dionysischen Darstellung des Kosmosam. Ende des „Willens zur Macht". „Hat jemand", fragter im „Ecce homo", „Ende des neunzehnten Jahrhundertseinen Begriff davon, was Dichter starker Zeitalter Inspi-ration nannten? Im andern Fall will ich’s beschreiben." Undnun beginnt eine Schilderung von Erleuchtungen, Ent-
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