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Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrung
Entstehung
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nicht in dem vagen und allgemeinen Sinn genommen, inwelchem es sich so leicht mit dem Begriff des Genies ver-bindet, sondern in einem so spezifischen und klinischenVerstände, daß man sich wiederum dem Verdacht des Ba-nausentums und dem Vorwurf aussetzt, man wolle dieschöpferische Lebensleistung eines Geistes damit entwer-ten, der als Sprachkünstler, Denker, Psycholog die ganzeAtmosphäre seiner Epoche verändert hat. Das wäre einMißverständnis. Oft ist gesagt worden, und ich sage es wie-der: Krankheit ist etwas b'loß Formales, bei dem es daraufankommt, womit es sich verbindet, womit es sich erfüllt. Eskommt darauf an, wer krank ist: ein Durchschnittsdumm-kopf, bei welchem die Krankheit des geistigen und kultu-rellen Aspektes freilich entbehrt, oder ein Nietzsche, einDostojewski. Das Medizinisch-Pathologische ist eine Seiteder Wahrheit, ihre naturalistische sozusagen, und wer dieWahrheit als Ganzes liebt und willens ist, ihr unbedingtdie Ehre zu geben, wird nicht aus geistiger Prüderie irgendeinen Gesichtspunkt verleugnen, unter dem sie gesehenwerden kann. Man hat es dem Arzte Möbius sehr verübelt,daß er ein Buch geschrieben hat, worin er die Entwicklungs-geschichte Nietzsches als die Geschichte einer progressivenParalyse fachmännisch darstellt. Ich habe an der Entrüstungdarüber nie teilnehmen können. Der Mann sagt, auf seineWeise, die unbestreitbare Wahrheit.

Im Jahre 1865 erzählt der einundzwanzigjährige Nietzscheseinem Studienfreunde Paul Deussen, dem späteren be-rühmten Sanskritisten und Vedanta-Forscher, eine sonder-bare Geschichte. Der junge Mann'hatte allein einen Aus-flug nach Köln gemacht und dort einen Dienstmann enga-

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