das er gen Himmel hebt.“ Das mag denn wohl schimpfliche Poesiesein in den Augen der morphologischen Wissenschaft; aber unterihrem Basiliskenblick wollen wir uns nicht scheuen, es uns als dasUnsrige zu eigen zu machen.
Die Politik nun, die in der abgeschmackten Unerbittlichkeit derhier beanstandeten Lehre latent ist, — man kann sie sich ausmalen.Sie ist nicht diejenige des deutschen Romantikers, dessen Ideen viel-mehr auch hier mit denen des Menschenliebhabers von jenseits desOzeans verwunderlich übereinstimmen. Der Krieg, — nicht gerade,daß er ihn pazifistisch verneint. Allein: „Wie,“ ruft er, „wenn . . .eine nähere und mannigfaltigere Konnexion und Berührung der euro-päischen Staaten zunächst der historische Zweck des Krieges wäre, wenneine neue Regung des bisher schlummernden Europa ins Spiel käme,wenn Europa wieder erwachen wollte, wenn ein Staat der Staaten, einepolitische Wissenschaftslehre uns bevorstände!“ — Der Staat derStaaten: ist er romantisch-hierarchisch gemeint? Aber Novalis erläutertweltlich: „Das Völkerrecht ist der Anfang zur universellen Gesetz-gebung, zum universellen Staate.“ Und bei Zeiten spricht er aus,was heute die Spatzen von den Dächern pfeifen: „Die Staaten müssenendlich gewahr werden, daß die Erreichung aller ihrer Zwecke bloßdurch Gesamtmaßregeln möglich ist.“
Es hilft nichts: das alles ist politische Aufklärung, es ist unzwei-deutige Demokratie, — im Munde eines Ritters der blauen Blume, derobendrein ein geborener Junker war und von dem man, statt solcherModernitäten, sich eher einiges mittelalterlichen Fehdesinnes undgewappneter Ehrliebe sollte versehen dürfen. Wie aber in Wahrheitspricht er vom Rittertum? Kommilitonen! er spricht unumwundenwegwerfend davon. „Das Point d’honneur des alten Rittergeistes,“spricht er, „hat zuerst jene lächerliche Förmlichkeit zwischen Menscheneingeführt. Etikette ist der Tod aller freien Humanität, eineMischung asiatischer Sklavenkleinlichkcit und Despotenhochmut mitchristlicher Demut.“ — Er ist stark in der Psychologie: auch das hatetwas mit Republik zu tun. Noch mehr aber hat damit zu tun dasWort von der „freien Humanität“, welches wirklich nur ein anderesWort, ein unpolitisches, für jene ist, — und zwar ein Wort der Liebe,ja, der Verliebtheit. Ich gebrauche dies zweite kleinere, aber deutlichereWort, um damit auf das zu kommen, was Novalis und Whitmanam tiefsten verbindet und unverkennbar die Wurzel ihrer Humanitätund ihres Sozialismus bildet. Es ist die Liebe — nicht in irgend
33