Zeit zum Seelenarzt werden könnte, wenn sie sich recht aufihn besänne!
Wie wohl ein Organismus kränkeln, ja siechen mag, weiles seiner Chemie an einem bestimmten Element, einem Le-bensstoff, einem Vitamin mangelt, so ist es vielleicht genaudies unentbehrliche Etwas, das Element »Schiller«, an demes unserer Lebensökonomie, dem Organismus unserer Ge-sellschaft kümmerlich gebricht. So wollte es mir scheinen,als ich seine »öffentliche Ankündigung der Horen« wiederlas, dieses herrliche Stück Prosa, worin er das auch seinerZeit schon ungemäß Dünkende zum Dringlichst-Zeitge-mäßen erhebt, es zum Labsal macht jedem Leidenden. Erspricht da von einer Zeit, wo »das nahe Geräusch des Kriegsdas Vaterland ängstigt, der Kampf politischer Meinun-gen und Interessen diesen Krieg beinahe in jedem Zirkel er-neuert und weder in den Gesprächen noch in den Schriftendes Tages vor diesem allverfolgenden Dämon der Staats-kritik Rettung ist«. Je mehr, sagt er, das beschränkte Inter-esse der Gegenwart die Gemüter in Spannung setze, einengeund unterjoche, desto dringender werde das Bedürfnis, durchein allgemeines und höheres Interesse an dem, was reinmenschlich und über allen Einfluß der Zeiten erhaben ist,sie wieder in Freiheit zu setzen und die politisch geteilteWelt unter der Fahne der Wahrheit und Schönheit wiederzu vereinigen. Sache seiner Zeitschrift, erklärt er, sollte essein, dem Geist und Herzen des Lesers, den der Anblickder Zeitbegebenheiten bald entrüste bald niederschlage,mitten im politischen Tumult, auf spielende sowohl wieernsthafte Weise, Trost und Befreiung zu bringen. Ver-bannt aus ihr solle alles von einem unreinen ParteigeistGestempelte sein. Aber während sie sich alle Beziehungen
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