freilich wahr, auch ist es ausgemacht, daß ich hierin nebenihm verlieren werde. Weil mir aber auch etwas übrig bleibt,was Mein ist und Er nie erreichen kann, so wird sein Vor-zug mir und meinem Produkt keinen Schaden tun, und ichhoffe, daß die Rechnung sich ziemlich heben soll. Man wirduns, wie ich in meinen mutvollsten Augenblicken mir ver-spreche, verschieden spezifizieren, aber unsere Arten ein-ander nicht unterordnen, sondern unter einem höheren idea-listischen Gattungsbegriffe einander koordinieren.« Das istdas Endresultat eines langen messenden Sich-nicht-messen-Wollens; und stimmt es nicht völlig überein mit Goethe’s:»Da streiten sich die Deutschen, wer größer sei, Schiller oderich. Froh sollten sie sein, daß sie zwei solche Kerle haben,über die sie streiten können.« Dem Überlebenden aberwurde der Tote, was er diesem denn doch niemals gewesenwar: er wurde ihm heilig. Aus seinen letzten Lebensjahrenstammt die Antwort, die er der Schwiegertochter Ottilie er-teilte auf ihre Aussage, Schiller langweile sie oft. Da wandteer sein Gesicht hinweg und erwiderte: »Ihr seid alle vielzu armselig und irdisch für ihn.«
Wir sollten uns alle fürchten vor dieser Gebärde, diesemstrafenden Wort des alten Goethe und Zusehen, daß wiruns nicht als allzu irdisch-armselig erweisen vor ihm, nachdessen Dasein an seiner Seite sich jener bis an sein Grab zu-rücksehnte. Denn daß sein Andenken erlöschen dürfe, daßer unzeitgemäß geworden sei, uns nichts mehr zu sagenhabe, ist Vorurteil und Wahn. Es ist eine Meinung vongestern, sie ist veraltet. Wie stark, bei neu durcharbeitenderBeschäftigung mit seinem Werk, habe ich das empfunden —und daß er, der Herr seiner Krankheit, unserer kranken