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Ansprache im Goethejahr <<1949>> [neunzehnhundertneunundvierzig]
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verschüchtert, der sein Wesen war, ein Element umfassenden Zweifels, das ihn, wenn wirseiner Umgebung glauben dürfen, gern Sätze sprechen ließ, die gleich den Widerspruch auchschon enthielten, und:Er hat sein Sach auf nichts gestellt ist das moralisch beklommeneWort, in das Schillers Frau, Charlotte, diese Erfahrungen zusammenfaßt. Aber diesesNichts,es ist ein anderer Name fürAlles, für das Menschlich-Umfassende, die tausendfache Leben-digkeit des Proteus, der in alle Formen schlüpft, alles zu wissen, alles zu verstehen, alles zusein, in jeder Haut zu leben verlangt. Nichts und alles sind da eins, wie Mephistophelesund Faust eins sind in der Person ihres Schöpfers, der sie ihren Pakt schließen läßt auf demGrund einer totalen, das Höllische ins Allmenschliche umdeutenden Lebenshingegebenheit.

Mein Busen, der von Wissendrang geheilt ist,

Soll keinen Schmerzen künftig sich verschließen,

Und was der ganzen Menschheit zugeteilt ist,

Will ich mit meinem Innern selbst genießen,

Mit meinem Geist das Höchste und Tiefste greifen,

Ihr Wohl und Weh auf meinen Busen häufenUnd so mein Eigen selbst zu ihrem Selbst erweitern.

Ist das ein Teufelspakt? Bekenntnis zum Nichts? Es ist höchste Lebensbereitschaft, der höchste,opferwillige und freilich auch zum Hinnehmen von Opfern willige Anspruch auf Menschheits-repräsentanz, höchster Humanismus. Ohne jene oft treulos wirkende Ubiquität hätte er nieeine Vereinigung des Urbanen und des Dämonischen vollendet, wie sie in so gewinnenderGröße kein zweites Mal vorgekommen ist in der Geschichte der Gesittung. Das Deutsch-Volk-hafte und das Mediterran-Europäische in vollkommen zwangloser und einleuchtender Syn-these, in einer Verbindung, die im Wesen dieselbe ist, wie die des Geniehaften und des Ver-

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