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Ansprache im Goethejahr <<1949>> [neunzehnhundertneunundvierzig]
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Deutschland war: dem Konflikt, daß ja, wie die Dinge lagen, der Untergang des NaziTegimesgleichbedeutend war mit der nationalen Katastrophe, dem Sturz, der Erniedrigung und Zer-reißung Deutschlands. Man will wahr haben, ich sei ohne Empfindung gewesen für diesen Kon-flikt; ich hätte auch keine Ahnung gehabt von der Gewalt des Terrors, von der Hilflosigkeiteines Volkes vor dem lähmenden, lückenlosen und nicht einmal Märtyrertum zulassendenUnterdrückungssystem des totalitären Staates; unwissend und erfahrungslos, in bequemsterLebenslage, hätte ich der Tragödie meines Volkes von weitem zugesehen und ins Blaue hineindarüber geschwätzt.Er kann sagen", schrieb jemand, frei nach Goethe,er kann sagen, ersei nicht dabei gewesen."

Nicht doch, ich bin dabei gewesen. Wie einer das Schmerzensbuch vonDr. Faustus" gelesenhaben und dann noch sagen kann, ich sei nicht dabei gewesen. Ferne und persönliche Sicher-heit hätten mich gehindert, stärker und tiefer dabei zu sein, als so mancher, der physisch da-bei war, das verstehe, wer mag und kann. Emigrantenliteratur. Aber das Werk eines Emigran-ten, der mit allem, was ihm an Erlebnisfähigkeit gegeben war, die deutsche Not geteilt hat.Ich weiß, daß der Emigrant in Deutschland wenig gilt - er hat noch nie viel gegolten in einemvon politischen Abenteuern heimgesuchten Lande. Es versteht sich wohl, daß diese Ablehnungeines jeden, der sich lossagte, nicht wenig beitrug zu der Scheu, die mich vier Jahre nach derVollendung des Unheils von Deutschland ferngehalten hat. Und auch sonst mag es Erklärun-gen geben für diese Scheu. Man zögert, die Grenze eines Landes wieder zu überschreiten, daseinem durch lange Jahre ein Alpdruck war; von dessen Fahne, wo sie sich im Auslande zeigte,man mit Grauen den Blick wandte, und wo, wäre man dorthin verschleppt worden, ein elenderTod einem sicher gewesen wäre. Dergleichen wirkt nach, es ist nicht so leicht aus dem Blut zubringen. Die Sorge der Entfremdung, der Gedanke an die Verschiedenartigkeit der Erlebnis-weise, des Lebensstandpunktes, die Furcht, daß man nicht mehr dieselbe Sprache spreche, daß

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