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Ansprache im Goethejahr <<1949>> [neunzehnhundertneunundvierzig]
Entstehung
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fast alljährlich wiederholte Reisen dorthin, die Berufung nach Princeton, die Gewöhnung anden neuen, riesigen Horizont, die Sprache, die Lebensluft des weiten Landes, dem Goethe wäh-rend seiner letzten Erdenjahre soviel erwartungsvolle Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Ver-bunden und verschränkt aber immer mit der durchaus auch physiologischen Anstrengung desSichumstellens und der Adaption blieb der Wille zum Beharren, die aktive Treue zur deutschenSprache, dieser wahren und unverlierbaren Heimat, die ich mit mir ins Exil genommen, undaus der kein Machthaber mich vertreiben konnte. Nie ist es mir in den Sinn gekommen, auchals Schriftsteller zu emigrieren, und etwa, wie mancher es von mir erwartete, ja forderte, eineArbeit gleich auf englisch herzustellen, da es ein deutsches Publikum für sie ja doch nicht gab.Die Zweiteilung meines Lebenswerks in eine deutsche und eine englische Hälfte erschien mirals Absurdität. Im Gegenteil wurde mir in der Fremde - mochte die Zeit sie auch ins Ver-traute und Heimatliche verwandeln und herzliche Zugehörigkeitsgefühle in mir groß-ziehen -im Gegenteil wurde mir mein Tun gerade in diesen Jahren mehr und mehr zum be-wußten Sprachwerk, zur versuchenden Lust, alle Register des herrlichen Orgelwerks unsererSprache zu ziehen, zu einem Bestreben nach Rekapitulation zugleich und Vorwärtstreibung deut-scher Sprachzustände und Ausdrucksmöglichkeiten deutscher Prosa. Fern von Deutschland, nachder tiefen Cäsur, die das Jahr 1933 bezeichnet, baute sich mir so ein zweites Lebenswerk auf.Das geschah unter beständigen wilden Ablenkungen von seiten der Außenwelt, der Zeit undihres Geschehens, und schwierig war es, gegen das umdrängende Drama am Epischen festzuhal-ten und weiterzuwirken, die unentbehrliche Heiterkeit des künstlerisch Hervorbringenden zubewahren trotz dem brennenden Affekt, zu dem ich mir die längste Zeit meines Lebens dieFähigkeit kaum zugetraut, und den ich ohne das deutsche Unheil gewiß nie kennengelernthätte: dem Affekt des Hasses. Ja, meine Zuhörer, ich habe die ruchlosen Verderber Deutsch-lands und Europas gehaßt, mit unbedingtem, mit tödlichem Haß, dessen ich mich nicht zuschämen hatte, auf den ich stolz sein durfte: und eben die Tiefe dieses Hasses mag den Ge-

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