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Goethe und die Demokratie
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GOETHE UND DIE DEMOKRATIE 21

daß an dem Tisch dieses oft so steifen und feierlichenGrandseigneurs aus dem 18. Jahrhundert von Dampf-schiffen und ersten Versuchen mit einer Flugmaschine,von utopisch-welttechnischen Problemen und Projekten,vom Panama- vom Suez-Kanal und der Verbindung vonDonau und Rhein fast mehr und angelegentlicher dieRede ist als von Literatur und Poesie. Kann es auchwundernehmen bei dem Dichter des letzten Faust, derseinen höchsten Augenblick in der Verwirklichung einesutilitaristischen Traumes, der Trockenlegung eines Sumpfeserblickt?Auf freiem Grund mit freiem Volk zu stehen das mutet außerordentlich amerikanisch an. DieZukunft gehört dem Menschen des Tages, dessen Sinnundpraktischer Verstand auf das Nächste, Nützlichegerichtet ist, sie gehört einer von des Gedankens Blässenicht angekränkelten Tatkraft. Nicht Deutschland nur,ganz Europa ist Hamlet, und Fortinbras, das istAmerika.

Nein, es war keine Täuschung, wenn wir GoethesLebensfreundschaft, seine Gabe,to make a success ofthings, seinen Willen zu überleben, statt poetisch inStücke zu gehen, als einen demokratischen Zug, ja alsdas entscheidende Merkmal dafür empfanden, daß dieeuropäische Demokratie ihn zu den ihren zählen darf.Eine großartige Gutwilligkeit ist ihm eigen, von der zulernen Heil und Rettung wäre für eine Zeit, in der soviel böser Wille, so viel verbissene Widersetzlichkeitgegen die Forderungen des Lebens braut und brütet, wiein der unsrigen. Denn ein anderer Name für diese Gut-willigkeit, diese Lebensfreundschaft ist: Liebe. Dies Wortam häufigsten wiederkehrend, wie man ausgerechnet hat,in seinem Werk, steht geschwisterlich neben dem WorteLeben.Lebendiges laßt uns lieben! So klingt es aus