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Goethe und die Demokratie
Entstehung
Seite
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l8 GOETHE UND DIE DEMOKRATIE

vitalen Ausdauer, viel weiter gehen, als Schiller, der mitbloßen 46 Jahren aus der Zeit ging. Die moralisch-politische Entwicklung des Überlebenden und nie stilleStehenden spiegelt sich in dem früh begonnenen undspät abgeschlossenen großen Bildungsroman, im WilhelmMeister , diesem Lebenswerk, das ihn, wie der Faust ,durch die Jahrzehnte begleitet und sehr verschiedenegeistige Stadien durchläuft. Schließlich wetterleuchtet esin dem Buch von Ideen, die weit abführen vom ästhe-tischen Kult des Persönlichen, weitab von dem klassischenund bürgerlichen Kulturbegriff, den zu schaffen und zuprägen Goethe selbst in erster Linie behilflich gewesenwar. Da haben wir die berühmteEntsagung, dies Lieb-lingsmotiv des Goetheschen Alters. Entsagung, das ist dieSelbstüberwindung der individualistischen Humanität,der Verzicht auf das Ideal privatmenschlicher Allseitig-keit. Das Ungenüge am Individuum ist da, das heuteherrscht, der Einzelne wird Funktion, es kommt daraufan, was durch ihn für die Kultur zu leisten ist, der BegriffdesBandes tritt hervor, des Kollektivs, der Gemein-schaft.

Vor allen Dingen spielt der Roman bereits zwischenden Kontinenten, die neue Welt, Amerika, ist ins Blick-feld gerückt, und die Idee der Auswanderung dorthin,zu der am Ende die Mehrzahl der Personen sich ent-schließt, wird zum Hauptmotiv. Goethe und Amerika,Goethe als Amerikaner es ist eine verblüffende Zusam-menziehung und Vorstellung, denn er ist ja der Erz-europäer, nichtsKontinentaleres ist zu erdenken, alsseine Gestalt, und bis zuletzt, noch spät in den Wander-jahren, hat er der europäischen Kultur seine Liebe undHuldigung dargebracht dieserunschätzbaren Kultur,seit mehreren tausend Jahren entsprungen, gewachsen,