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Goethe und die Demokratie
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GOETHE UND DIE DEMOKRATIE 13

den Menschen, die Menschheit, an ihre revolutionäreReinigung, ihre bessere Zukunft wenig oder nichtsbesessen hätte. Vernunft und Gerechtigkeit sind denMenschen nicht beizubringen. Ewig wird es hin undwider schwanken und des Kampfes, des Blutvergießenskein Ende sein. Wäre das nur mit pessimistischemKummer gesagt! Aber im Grunde ist es ihm recht so,denn vom Pazifisten hat er sehr wenig. Er bekennt, daßesihn traurig mache, mit allen Leuten gut zu sein, daßerden Zorn brauche. Nun, christliche Friedensliebe istdas nicht, wenn es auch lutherisch ist und bismarckischdazu.

Seine Skepsis gegen liberale Regierungsformen ist tief.Man werde finden, sagt er, daßman von oben herab mitzu großer Güte, Milde und moralischer Delikatesse aufdie Länge nicht durchkomme, indem man eine gemischteund mitunter verruchte Welt zu behandeln und inRespekt zu halten habe. Er erzürnt sich gegen diehumanitäre Neigung der Zeit, Verbrechern mit ärztlichenZeugnissen und Gutachten an der verwirkten Strafe vor-beizuhelfen und läßt sich wohlgefällig von einem ener-gischen jungen Physikus berichten, der die Frage, obeine gewisse Kindsmörderin zurechnungsfähig sei odernicht, entschlossen dahin beantwortet habe, sie sei esallerdings.Sie ist die erste nicht! Mit der Juden-Emanzipation, die doch von seinem großen Kaiser überallgefördert wurde, ist er wenig einverstanden.Schließlich,sagt er,werde man in Weimar gar noch eine jüdischeOberhofmeisterin haben.

Er ist Aristokrat im Verhältnis zur Masse. Menge undKultur, das reimte sich ihm nicht, denn Kultur war ihmauserlesene Gesellschaft, die sich über das Höchste diskretverständigt mit einem.Lächeln. . . . Um seine persönliche