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Goethe und die Demokratie
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GOETHE UND DIE DEMOKRATIE

Denken, nicht in den Wolken zu schweben, sondern sichmit dem Leben zu vereinigen und sich ihm verantwortlichzu fühlen; es zielt ab auf einen demokratischen Pragma-tismus, an dem es in Deutschland tatsächlich immer allzusehr gefehlt hat und dessen Partei der größte deutscheDichter, nicht nur in jenem Gelegenheitswort, gegen denHochmut des Geistes nahm. Er tat dies sehr zum Kummervon Dichtern gleich Rilke, die darin eine Verräterei,nämlich den Verrat der Kunst an das Leben, sehen.

Darüber hat man neulich in den Publications of theEnglish Goethe Society eine ausgezeichnete Studie, Rilkeand Goethe von Eudo C. Mason, gelesen, in der nicht ver-säumt war, das Ressentiment Rilkes gegen den Tasso mitder Goethe-Kritik des Novalis in Parallele zu stellen. Derhat den Wilhelm Meister ein höchst undichterisches Werk,einenCandide, gerichtet gegen die Poesie genannt.Das Romantische gehe darin zugrunde, sagt er, auch dieNaturpoesie, das Wunderbare. Die ökonomische Naturbleibe als die wahre übrig. Goethe sei ganz praktischerDichter, heißt es da, er sei in seinen Werken, was derEngländer in seinen Waren sei: höchst einfach, nett,bequem und dauerhaft. . . . Die Übereinstimmung derGesinnungen ist vollkommen. Es ist ein und dieselbevon zarter Erbitterung vibrierende Stimme, die Stimmepoetisch-aristokratischen Leidens am Leben gegen den,der sich auf die Seite des Lebens stellte und das kühlabweisende Wort gesprochen hat:Von Leiden kann ja beider Kunst nicht die Rede sein. Er hat aber auch ganzandere Worte gesprochen, zum Beispiel dieses, das in derItalienischen Reise gelegentlich Raffaels fällt:Denn wirahnen die furchtbaren Bedingungen, unter welchen alleinsich selbst das entschiedenste Naturell zum Letztmög-lichen des Gelingens erheben kann. Wer zweifelt, daß