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Goethe und die Demokratie
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GOETHE UND DIE DEMOKRATIE

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Widerspruch zwischen kulturellem Rang und politischerMisere viel gelitten worden: Goethe hat erklärtermaßendarunter gelitten und gelegentlich den weltfremdenTheoretizismus des deutschen Charakters verwünscht.Während die Deutschen, sagte er 1829 zu Eckermann,sich mit Auflösung philosophischer Probleme quälen,lachen uns die Engländer mit ihrem großen praktischenVerstände aus und gewinnen die Welt.

Nun will ich ganz offen sein und erklären, daß ich diesWort nicht liebe. Erstens hat England das arme, geistigeund unpraktische Deutschland von dazumal keineswegsausgelacht. Es hat im Gegenteil viel Hochachtung undBewunderung dafür gehabt, was dem alten Goethe dievielen Engländer hätten zeigen können, die nach Weimarpilgerten. Zweitens war es nicht wohlgetan, England nurauf den praktischen Weltverstand festzulegen und es mitder Ostindischen Kompanie gleichzusetzen, denn es hatja der Welt den größten Dramatiker, eine lange Reihebedeutender Denker und Schriftsteller und eine sublimeLyrik gegeben, und aus jener Gegenüberstellung sprichtsogar eine leise nationale Überheblichkeit, des Sinnesbeinahe, als sei Deutschland das auserwählte Volk desGeistes. Drittens aber, und das ist das Bedenklichste,liegt in dem Wort eine gewisse Aneiferung für dieDeutschen, es England gleichzutun und sich ebenfallsauf die Gewinnung der Welt zu verlegen, der Anspornzu einem konkurrierenden Neide also, der dann in derdeutschen Geschichte eine sehr unglückliche Rolle ge-spielt hat.

Das sind Einwände gegen ein Wort, das pädagogischgemeint war und auch wirklich des pädagogischen Wertesnicht entbehrte; denn Goethes Lob despraktischen Ver-standes kommt einer Ermahnung gleich an Geist und