Druckschrift 
Friedrich und die große Koalition : von Thomas Mann
Entstehung
Seite
120
Einzelbild herunterladen
 

120

Deutschland. Was dieses Volk reden wir mit ganz " ^

ruhiger Stimme! was dieses Volk sich seit Kriegs- ^

beginn hat sagen und antun lassen müssen, das war... ein k'

wenig weitgehend, es war danach angetan, selbst das ^

national unzuverlässigste Einzelwesen zu nationaler Partei- ^

nähme zu erregen. Ich zeige Ihnen ein Bildchen. Ein ^

Senegalneger, der deutsche Gefangene bewacht, ein ^

Tier mit Lippen so dick wie Kissen, führt seine graue .

Pfote die Kehle entlang und gurgelt:Man sollte sie ^

hinmachen. Es sind Barbaren." Nun? Ich hoffe,mein Bildchen gefällt Ihnen? Aber vielleicht werdenSie es verstehen, wenn wir Deutschen dasMenschen-geschlecht" eine Jeitlang im Bilde dieses seines angeneh- D

men Beauftragten erblicken. Hii

Kurz, was ist es mit Deutschland? Welches sind seine is:

Verbrechen? Es hat, heißt es, den Krieg gewollt und «

angefangen. Und es hat auch sonst barbarische Grund- M

sätze an den Tag gelegt. Darf ich darauf noch heute »

zwei einfache Worte erwidern? H

Vor allem, meine ich, sollte das bildungsstolze Europa ^

sich seiner mühsam eroberten psychologischen Gesittung ^

nicht so wütend entäußern bei der ersten Gelegenheit, ^

wo es sich lohnen würde, davon Gebrauch zu machen; ^

es sollte nicht so schuljungenmäßig überSchuld" und ^

bösen Willen" perorieren, während es genau weiß, ^

daß die Frage, ob Deutschland den Krieg gewollt hat, ^

in die Schlünde des nie ausgedachten Problems von der ^

Willensfreiheit führt und daß es nur für die Tapferkeit ^