— 12
Besseres, Scyöneres, Glücklicheres widerfahren können,als daß eine verzweifelte Übermacht von Feindschaft sichendlich gegen dies Volk erhob; und auch dem Höchsten,Berühmtesten unter ihnen kam Dank und Gruß an denKrieg nicht wahrer von Herzen als jenem Braven, derin einem Tageblatt seinen Kraftgesang mit dem Ausrufbegann: „Ich fühle mich wie neu geboren!"
Es wäre leichtfertig und ist völlig unerlaubt, dies Ver-halten der Dichter auch nur in den untersten, bescheidenstenFällen als Neugier, Abenteurertum und bloße Lust ander Emotion zu deuten. Auch waren sie niemals Pa-trioten im Hurra-Sinne und „Imperialisten", schon des-halb nicht, weil sie selten Politiker sind — nach außenselten und kaum nach innen, so daß auch die Wunderund Paradorien, welche der Krieg sogleich im Landezeitigte: das brüderliche Zusammenarbeiten von Sozial-demokratie und Militärbehörde etwa, jene phantastischeNeuheit der inneren Lage, die einen radikalen Literatenzu dem Ausruf begeisterte: „Unter der Militärdiktaturist Deutschland frei geworden!" — daß auch dies allesden Dichtern wohl keine Lieder gemacht haben würde.Aber wenn nicht Politiker, so sind sie doch stets etwasanderes: sie sind Moralisten. Denn Politik ist eine Sacheder Vernunft, der Demokratie und der Zivilisation;Moral aber eine solche der Kultur und der Seele.
Erinnern wir uns des Anfangs — jener nie zu ver-gessenden ersten Tage, als das nicht mehr für mög-lich Gehaltene hereinbrach! Wir hatten an den Krieg