werten, möge sie auch die moralische Gefahr mitsich bringen, das Nein sagen zu verlernen. Mir istnicht bange deswegen - und übrigens ist Moral,sofern sie die Spontaneität und Unschuld des Lebensbeeinträchtigt, nicht unbedingt Sache des Künstlers.Es ist nicht ausschließlich ärgerlich, es ist auch eineberuhigende Erfahrung, daß trotz aller Erkenntnis,Aufklärung, Analyse, allen Fortschritten des Wissensvom Menschen- an Wirkung, Geschehen, eindrucks-vollster Projektion des Unbewußten in die Realitätjederzeit alles möglich bleibt aufErden-zumalbeidemPrimitivisierungsprozeß, dem das Europa von heutesich wissentlich, willentlich überläßt, - wobei dennfreilich das Wissen und Wollen, der dolose Affrontgegen den Geist und die von ihm eigentlich erreichteStufe einen schweren Einwand gegen die Primitivi-tät bildet. Unstreitig, Primitivismus in seiner frechenSelbstverherrlichung gegen Zeit und Gesittungsstufe,Primitivität als „Weltanschauung” - und sei dieseWeltanschauung noch so sehr als Korrektur undGegengewicht eines dörrenden „Intellektualismus”gemeint - ist eine Schamlosigkeit, sie ist genau, wasdas alte Testament einen „Greuel” und eine „Narr-heit” nennt, und auch der Künstler als ironischerParteigänger des Lebens kann sich von einem so drei-sten und lügenhaften Rückfall nur angewidert ab-wenden. Neulich sah ich im Film einen Sakraltanz vonBali-Insulanem, der in vollkommener Trance undschrecklichen Zuckungen der erschöpften Jünglingeendete. Wo ist der Unterschied zwischen diesen Bräu-
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