vermischt mit schändlicher Pathologie. Wagnerisch,auf der Stufe der Verhunzung, ist das Ganze, manhat es längst bemerkt und kennt die gut begründete,wenn auch wieder ein bißchen unerlaubte Verehrung,die der politische Wundermann dem künstlerischenBezauberer Europas widmet, welchen noch Gott-fried Keller „Friseur und Charlatan” nannte.
Künstlertum... Ich sprach von moralischer Kastei-ung, aber muß man nicht, ob man will oder nicht,in dem Phänomen eine Erscheinungsform des Künst-lertums wiedererkennen? Es ist, auf eine gewisse be-schämende Weise, alles da: die „Schwierigkeit”,Faulheit und klägliche Undefinierbarkeit der Frühe,das „Nicht-unterzubringen-sein”, das „Was-willst-du-nun-eigentlich ? ”, das halb blöde Hinvegetieren intiefster sozialer und seeüscher Boheme, das im Grun-de hochmütige, im Grunde sich für zu gut haltendeAbweisen jeder vernünftigen und ehrenwerten Tä-tigkeit - auf Grund wovon ? Auf Grund einer dump-fen Ahnung, Vorbehalten zu sein für etwas ganz Un-bestimmbares, bei dessen Nennung, wenn es zu nen-nen wäre, die Menschen in Gelächter ausbrechenwürden. Dazu das schlechte Gewissen, das Schuld-gefühl, die Wut auf die Welt, der revolutionäre In-stinkt, die unterbewußte Ansammlung explosiverCompensationswünsche, das zäh arbeitende Bedürf-nis, sich zu rechtfertigen, zu beweisen, der Drang zurÜberwältigung, Unterwerfung, der Traum, eine inAngst, Liebe, Bewunderung, Scham vergehendeWeltzu den Füßen des einst Verschmähten zu sehen...