komponiert hatte, - ein erschütterndes Stück Werk, das währenddes ersten deutschen Weltkrieges und einige Jahre nach ihman mehreren deutschen Musik-Centren und auch in der Schweizunter der enthusiastischen Zustimmung einer Minorität undfreilich natürlich auch hämisch-banausischem Widerspruchdurch mutige und der neuen Musik freundlichen Dirigenten zurAufführung gelangt ist und sehr dazu beigetragen hat, dass,spätestens in den Zwanziger Jahren, eine Aura esoterischenRuhms sich um den Namen meines Freundes zu breiten begann.
Ich will aber Folgendes sagen: So tief ich bewegt - wenn auchnicht eigentlich überrascht - war von diesem Ausbruch religiö-sen Gefühls, der desto reiner und frommer wirkte durch dieEnthaltsamkeit von billigen Wirkungsmitteln (kein Harfenge-tön, zu dem der Wortlaut doch geradezu auffordert5 keinePauke zur Wiedergabe des Donners des Herrn); so nahe ans Herzmir gewisse, keineswegs durch verbrauchte Tonmalerei gewonne-ne Schönheiten oder grossartige Wahrheiten des Lobliedesgingen, wie der bedrückend langsame Wandel der schwarzen Wol-ke, der zweimalige "Jehovah!"-Ruf des Donners, wenn "der ge-schmetterte Wald dampft" (eine mächtige Stelle), der so neueund verklärte Zusammenklang der hohen Register der Orgel mitden Streichern am Schluss, wenn die Gottheit nicht mehr imWetter, sondern in stillem Säuseln kommt und unter ihr "Sichder Bogen des Friedens neigt", - so habe ich doch damalsdas Werk nicht nach seinem wahren seelischen Sinn, nichtnach seiner geheimsten Not und Absicht, nach seiner Angst,die im Preisen Gnade sucht, verstanden. Kannte ich denn dasDokument, das nun auch meine Leser kennen, die Niederschriftdes "Zwiegesprächs" im steinernen Saal? Nur bedingt hätteich mich "a partner in your sorrow's mysteries", wie es ein-mal in der "Ode on Melancholy" heisst, vor ihm nennen kön-nen: nur mit dem Recht einer schon aus Knabenzeiten stammendenvagen Sorge um sein Seelenheil, nicht von wirklichen Wissens
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