Es kam nur zu zwei Wiederholungen, und das Werk Bollte vor-läufig nicht über die Hansestadt an der Trave hinausdringen.Auch schloss sich die lokale Kritik fast einstimmig dem Urteilder Laien-Höterschaft an und spöttelte über die "dezimierendeMusik", deren Herr Kretzschmar sich da angenommen. Nur im»Lubischen Börsen-Kurier" sprach ein alter, seither zweifelloslängst verstorbener Musikprofessor namens Jimmerthal voneinem Justizirrtum, den die Zeit richtigstellen werde, underklärte in schrullig altfränkisch gesetzten Worten die Operfür ein zukunftshaltiges Werk voll tiefer Musik, deren Autorwohl ein Spötter, dabei aber "ein gottgeistiger Mensch" sei.Diese rührende Wendung, die ich vorher nie gehört oder gelesenbatte, und die mir auch nachher nie wieder vorgekommen ist,machte mir den eigentümlichsten Eindruck, und wie ich sie demwissenden Kauz, der sich ihrer bediente, nie vergessen habe,so, denke ich, wird sie ihm zu Ehren angerechnet sein vonder Nachwelt, die er gegen seine kritisch schlaffen und stump-fen Schreibkollegen als Zeugen beschwor.
Adrian war zu der Zeit, als ich nach Preising kam, mitder Komposition einiger Lieder und Gesänge beschäftigt, deut-scher und fremdsprachiger, nämlich englischer. Erstens warer auf William Blake zurückgekommen und hatte ein sehr sonder-bares Poem dieses ihm so lieben Autors, "Silent, silent night",in Töne gesetzt, jenen Vierstropher zu je drei gleichlautendgereimten Versen, deren letzte Gruppe, befremdlich genug lau-tet:
"But an honest joy
Does itself destroy
Por a harlot coy".
Diesen geheimnisvoll anstössigen Versen nun hatte der Kom-ponist sehr simple Harmonieen verliehen, die im Verhältniszu der Tonsprache des Ganzen - "falscher", zerrissener, un-heimlicher wirkten, als die gewagtesten Spannungen, tatsächlich
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