kontrastierte; und da müsse er nun befürchten, dass diese Ge-genden der Partitur in all ihrer Unvertrautheit und frondie-renden Ketzerei der Rezeption fast zugänglicher sein würden,als die frommen und strengen. Hier komme es oft zu einererstarrenden, mehr denkerischen als künstlerischen Spekula-tion in Noten, einem musikalisch kaum noch wirksamen Töne-Mosaik, das eher zum Lesen als zum Hören bestimmt scheine - etc.
Wir lachten.
- Wenn ich vom Hören höre! sagte Adrian. - Nach meinerMeinung genügt es völlig, wenn etwas einmal gehört wordenist, nämlich, als der Komponist es erdachte.
Nach einer Weile setzte er hinzu:
- Als ob die Leute je hörten, was da gehört worden ist.Komponieren heisst: einen Engelschor dem Zapfenstässer-Orche-ster zur Exekution auftragen. Übrigens halte ich die Chöreder Engel für äusserst spekulativ.
Meinerseits gab ich Griepenkerln unrecht in seiner schar-fen Unterscheidung zwischen den "archaischen” und den "moder-nen" Elementen des Werkes. Das gehe in einander über unddurchdringe einander, sagte ich, und er liess es gelten, zeig-te aber wenig Neigung, das Fertiggestellte zu erörtern, sondernschien es als abgetan und nicht weiter interessant hintersich liegen zu lassen. Erwägungen, was etwa damit anzufangen,wohin es zu schicken, wem es vorzulegen sei, überliess er mir.Dass Wendeil Kretzschmarn die Partitur zu lesen bekomme,daran war ihm gelegen. Er sandte sie ihm nach Lübeck, wo derStotterer noch amtierte, und dieser brachte die Oper dort tat-sächlich ein Jahr später, schon nach Kriegsausbruch, in einerdeutschen Bearbeitung an der ich nicht unbeteiligt war, zurAufführung, - mit dem Erfolg, dass während der Vorstellungzwei Drittel des Publikums das Theater verliessen, - ganzso, wie es sechs Jahre zuvor in München bei der Premiere vonDebussys "Pellfeas und M6li3ande" sich ereignet haben soll.
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