Satz am nächsten war?
Ich wartete. Er sprach bis zur Schwerverständlichkeitleise und zwischen den Zähnen, wie er zu tun pflegte, wenner Kopfschmerzen hatte.
- Einmal im Brentano-Cyklus, sagte er, - im "0 lieb Mädel".Das ist ganz aus einer Grundgestalt, einer vielfach variablenIntervallreihe, den fünf Tönen h-e-a-e-es abgeleitet, Hori-zontale -und Vertikale sind davon bestimmt und beherrscht,soweit das eben bei einem Grundmotiv von so beschränkter No-tenzahl möglich ist. Es ist wie ein Wort, ein Schlüsselwort,dessen Zeichen überall in demLied zu finden sind und es gänz-lich determinieren möchten. Es ist aber ein zu kurzesWort und in sich zu wenig beweglich. Der Tonraum, den esbietet, ist zu beschränkt. Man müsste von hier aus weiter-gehen und aus den zwölf Stufen des temperierten Halbton-Al-phabets grössere Wörter bilden, 'Wörter von zwölf Buchstaben,bestimmte Kombinationen und Interrelationen der zwölf Halbtö-ne, Reihenbildungen, aus denen das Stück, der einzelne Satzoder ein ganzes mehrsätziges Werk strikt abgeleitet werdenmüsste. Jeder Ton der gesamten Komposition, melodisch undharmonisch, müsste sich über seine Beziehung zu dieser vorbe—stimmten Grundreihe auszuweisen haben. Keiner dürfte wie-derkehren, ehe alle anderen erschienen sind. Keiner dürfteauftreten, der nicht in der Gesamtkonstruktion seine motivi-sche Punktion erfüllte. Es gäbe keine freie Note mehr. Daswürde ich strengen Satz nennen.
- Ein frappierender Gedanke, sagte ich. - Rationale Durch-organisation dürfte man das schon nennen. Eine ausserordent-liche Geschlossenheit und Stimmigkeit, eine Art von astro-nomischer Gesetzmässigkeit und Richtigkeit wäre damit gewon-nen. Aber, wenn ich's mir vorstelle, - das unveränderte Ab-spielen einer solchen Intervallreihe, wenn auch noch so wech-selnd gesetzt und rhythmisiert, würde wohl unvermeidlich eine
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