angeblich nichts Seelisches dabei im Spiele ist. Jede sinn-liche Handlung bedeutet ja Zärtlichkeit, ist Geben im Nehmender Lust, Glück durch Beglückung, Liebeserweisung. "EinFleisch" sind Liebende nie gewesen, und die Verordnung willmit der Lust aus der Ehe die Liebe vertreiben.
Ich war eigentümlich ergriffen und verwirrt von seinenWorten und hütete mich, ihn von der Seite anzusehen, obwohlich dazu versucht war. Was man jedesmal empfand, wenn ervon voluptuösen Bingen sprach, habe ich weiter oben angedeutet.Er war aber nie so aus sich herausgegangen, und es kam mir vor,,als läge in seiner Redeweise etwas fremdartig Explizites,eine leise Taktlosigkeit gegen sich selbst und also auchgegen den Hörer, die mich beunruhigte, zusammen mit der Vor-stellung, dass er dies alles mit von der Migräne getrübtenAugen gesagt hatte. Dabei war der Sinn seiner Äusserungmir ja durchaus sympathisch.
- Gut gebrüllt, Löwe! sagte ich so aufgeräumt wie möglich. -Das nenne ich zu den Y/erken stehen! Nein, mit dem Teufelhast du nichts zu schaffen. Du bist dir doch klar darüber,dass du eben weit mehr als Humanist, denn als Theolog gespro-chen hast?
- Sagen wir: als Psycholog, erwiderte er. - Ein neutralerMittelstand. Aber es sind das, glaub ich, die wahrheitslie-bendsten Leute.
- Und wie wäre es, schlug ich vor, - wenn wir einmal ganzschlicht persönlich und bürgerlich sprächen? Ich wollte dirmitteilen, dass ich im Begriffe bin ...
Ich sagte ihm, wozu ich im Begriffe war, erzählte ihm vonHelenen, wie ich sie kennen gelernt, wie wir uns gefunden.
Wenn ich seine Gratulation dadurch herzlicher gestalten könne,sagte ich, so möge er versichert sein, dass ich ihn von derTeilnahme an den "Tänzen und Bräuchen" meines Hochzeitfestesim Voraus dispensierte.