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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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hellen Tage sich abgespielt hatte, die Trauungspredigt desalten Pfarrers kurz und schlicht gewesen war, und dass esbei Tisch keine anzüglichen Heden, zur Sicherheit überhauptkeine Reden gegeben habe. Wenn auch noch der Schleier, dasweisse Sterbekleid der Jungfräulichkeit, die atlasnen Toten-schuhe vermieden worden wären, so wäre es noch besser gewe-sen. Besonders günstig sprach er sich über den Eindruck aus,den Ursels Verlobter und nunmehriger Gatte auf ihn gemachthatte.

- Gute Augen, sagte er, - gute Rasse, ein braver, intak-ter, sauberer Mann. Er durfte um sie werben, durfte sie an-schauen, ihrer zu begehren, - sie zum christlichen Weib zubegehren, wie wir Theologen sagen, mit berechtigtem Stolz dar-auf, dass wir dem Teufel die fleischliche Vermischung wegge-pascht haben, indem wir ein Sakrament, das Sakrament derchristlichen Ehe draus machten. Sehr komisch eigentlich,diese Kaperung des Natürlich-Sündhaften für das Sakrosanktedurch die blosse Voranstellung des Wortes "christlich', -wodurch sich ja im Grunde nichts ändert. Aber man muss zu-geben, dass die Domestizierung des Naturb&sen, des Geschlechtsdurch die christliche Ehe ein gescheiter Notbehelf war.

- Gern höre ich es nicht, erwiderte ich,, - dass du dieNatur dem Bösem vermachst. Der Humanismus*. der alte undneue, nennt das die Verleumdung der Quellens des Lebens.

- Mein Lieber, da gibt es nicht viel zu verleumden.

- Man gerät, sagte ich unbeirrt, - damit in die Rolle desVerneiners der Werke, man wird zum Anwalt des Nichts. Weran den Teufel glaubt, der gehört ihm schon.

Er lachte kurz auf.

- Du verstehst keinen Spass. Ich habe doch als Theologund also notwendig wie ein Theolog gesprochen.

- Lass das gut sein! sagte ich ebenfalls lachend. - Dupflegst deine Scherze ernster zu meinen als deinen Ernst.

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