henden Kinde, dem kleinen Jakob Nägli, mit glockenreiner,unbeschreiblich zu Herzen gehender Stimme gesungen wurde.
Übrigens und ganz nebenbei gesagt, war die hübsche Origi-nal-Ausgabe von Clemens Brentanos Gedichten, auf die Adriansich bei seiner Arbeit stützte, ein Geschenk von mir: ausITaumburg hatte ich ihm das Bändchen nach Leipzig mitgebracht.Selbstverständlich war die Auswahl der 13 Gesänge ganz seineSache} ich nahm nicht den geringsten Einfluss darauf. Aberich darf sagen, dass sie fast Stück für Stück meinen Wünschen,meinen Erwartungen entsprach. - Ein unstimmiges Geschenk,so wird der Leser finden; denn was hatte ich, wgcs hatte meineSittlichkeit und Bildung wohl eigentlich mit den überall ausdem Kindlich-Volksklanglichen ins Geisterhafte entschwebenden,um nicht zu sagen: entartenden Sprachträumereien des Roman-tikers zu schaffen? Es war die Musik, kann ich darauf nurantworten, die mich zu der Gabe vermochte, - die Musik, diein diesen Versen in so leichtem Schlummer liegt, dass dieleiseste Berührung von berufener Hand genügte, sie zu erwecken.
XXII
Als Leverkühn im September 1910, zu der Zeit also, daich bereits am Gymnasium von Kaisersaschern zu unterrichtenbegonnen hatte, Leipzig verliess, wandte er sich zunächstebenfalls der Heimat zu, nach Buchei, um an seiner SchwesterHochzeit teilzunehmen, die dort eben begangen wurde, undzu der nebst meinen Eltern auch ich geladen war. Ursula,nun zwanzigjährig, vermählte sich dem Optiker Johannes Schnei-dewein von Langensalza, einem vortrefflichen Mann, dessenBekanntschaft sie bei dem Besuch einer Freundin in dem rei-
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