thema der Theorie geworden war. Man beobachtet gleichzeitigein Aufleben des Studiums der katholisch-mittelalterlichenPhilosophie, eine Hinwendung zum Heu-Thomismus und zur Neu-Scholastik. Auf diese Weise kann freilich die liberal ver-blasste Theologie wieder tiefere und stärkere, ja glühendereFarben annehmenj sie kann den ästhetisch-altertümlichen Vor-stellungen, die man unwillkürlich mit ihrem Namen verbindet,wieder gerechter werden. Der gesittete Menscheingeist aber,nenne man ihn nun bürgerlich oder lasse ihn eben einfach alsgesittet gelten, kann sich dabei eines Gefühls des Unheimli-chen nicht erwehren. Denn die Theologie, in Verbindung ge-bracht mit dem Geist der Lebensphilosophie, dem Irrationalis-mus, läuft ihrer Natur nach Gefahr, zur Dämonologie zu werden.
Dies alles sage ich nur, um zu erklären, was ich mit demUnbehagen meine, das der Aufenthalt in Halle und die Teil-nahme an Adrians Studien, die Vorlesungen, denen ich alsHospitant, tun zu hören, was er hörte, an seiner Seite folgte,mir zuweilen erregten. Verständnis für diese Beklemmungfand ich bei ihm mitnichten, denn er liebte es wohl, sich übertheologische Fragen, die im Colleg berührt, im Seminar er-örtert worden waren, mit mir zu unterhalten, aber jedem Ge-spräch, das der Sache an die Wurzel gegangen wäre und dieproblematische Stellung der Theologie unter den Wissenschaf-ten selbst gegolten hätte, wich er aus und vermied also gera-de das, was nach meiner leicht gequälten Empfindung allemübrigen hätte vorangehen sollen. So war es übrigens ja auchin den Vorlesungen, und so verhielt es sich beim Verkehr mitseinen Commilitonen, den Mitgliedern der christlichen Studen-tenverbindung "Winfried", der er aus äusseren Gründen sich an-geschlossen hatte, und deren Gast auch ich zuweilen war. Da-von vielleicht noch später. Hier will ich nur sagen, dass diese jungen Leute, teils blässlich kandidatenhafte, teils bäu-erlich robuste, teils auch distinguiertere Gestalten mit
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