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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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der traditionellen Exegese festhaltend, von den Elementender biblischen Religion zu "retten gesucht, was irgend davonzu retten war, und sie hat andererseits die historisch- kriti-sche Methode der profanen Geschichtswissenschaft liberal ak-zeptiert und ihre wichtigsten Inhalte, den Wunderglauben, er-hebliche Teile der Christologie, die leibliche AuferstehungJesu, und was nicht noch, der wissenschaftlichen Kritik "preis-gegeben. Was für eine Wissenschaft ist aber das, die zur Ver-nunft in einem so prekären, nötigungsvollen Verhältnis stehtund an den Kompromissen, die sie mit ihr schliesst, immer zu-grunde zu gehen droht? Nach meinem Dafürhalten ist "liberaleTheologie ein hölzernes Eisen, eine contradictio in adjecto.Kulturbejahend und willig zur Anpassung an die Ideale der bür-gerlichen Gesellschaft, wie sie ist, setzt sie das Religiösezur Punktion der menschlichen Humanität herab und verwässertdas Ekstatische und Paradoxe, das dem religiösen Genius wesent-lich ist, zu einer ethischen Fortschrittlichkeit. Das Religi-öse geht im bloss Ethischen nicht auf, und so kommt es, dassder wissenschaftliche und der eigentlich theologische Gedankesich wieder scheiden. Die wissenschaftliche Überlegenheitder liberalen Theologie, heisst es nun, sei zwar unbestreit-bar, aber ihre theologische Position sei schwach, denn ihremMoralismus und Humanismus mangle die Einsicht in den dämoni-schen Charakter der menschlichen Existenz. Sie sei zwar ge-bildet, aber seicht, und von dem wahren Verständnis der mensch-lichen Natur und der Tragik des Lebens habe die konservativeTradition sich im Grunde weit mehr bewahrt, habe darum aberauch zur Kultur ein tieferes, bedeutenderes Verhältnis, als diefortschrittlich-bürgerliche Ideologie.

Hier beobachtet man deutlich die Infiltration des theolo-gischen Denkens durch irrationale Strömungen der Philosophie,in deren Bereich ja längst das Untheoretische, das Vitale,der Wille oder Trieb, kurz ebenfalls das Dämonische zum Haupt-

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