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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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sammelnden Lebensepoche - und sofern ich sie an der Seiteeines Kindheitsgenossen verbrachte, an dem ich hing, ja des-sen Sein, dessen Werden, dessen Lebensfrage mich im Grundemehr interessierte, als meine eigene. Liese war einfach; ichbrauchte ihr nicht viele Gedanken zu widmen, sondern nur durchtreue Arbeit die Voraussetzungen für ihre vorgegebene Lösung zuschaffen. Die seine war höher und in gewissem Sinne rätsel-hafter, ein Problem, dem nachzuhängen die Sorge um mein eige-nes Fortkommen mir immer viel Zeit und seelische Kräfte übrigliess; und wenn ich zögere, jenen Jahren das übrigens immerfragwürdige Beiwort "glücklich" zuzugestehen, so darum, weilich durch das Zusammenleben mit ihm weit stärker in seine Stu-dien-Sphäre hineingezogen wurde, als er in die meine, und weildie theologische Luft mir nicht gemäss, nicht geheuer war,weil in ihr zu atmen mich bedrückte und mir innere Verlegen-heit bereitete. Ich fühlte mich zu Halle, dessen geistiger Raumseit Jahrhunderten voll war von religiösen Controversen, dasheisst: von jenem geistlichen Zank und Streit, der immer demhumanistischen Bildungstriebe so abträglich gewesen ist, - ichfühlte mich dort ein wenig wie einer meiner wissenschaftlichenAhnen, Crotus Rubianus, der um 1530 zu Halle Canonicus war,und den Luther nicht anders als "den Epikuräer Crotus oderauch "Dr. Kröte, des Cardinais zu Mainz Tellerlecker" nannte.

Er sagte ja auch: "Des Teufels Saw, der Bapst" und war allerwe-gen ein unleidlicher Grobian, wiewohl ein grosser Mann. Stetshabe ich mit der Beklemmung sympathisiert, die die ReformationGeistern wie Crotus schuf, weil sie einen Einbruch subjekti-ver Willkür in die objektiven Satzungen und Ordnungen derKirche in ihr sahen. Dabei war er von der gebildetsten Frie-densliebe, zu vernünftigen Zugeständnissen gern geneigt, derFreigabe des Kelches nicht entgegen - und wurde dann freilichgerade wieder dadurch in die peinlichste Verlegenheit gesetzt,nämlich durch die greuliche Härte, mit welcher sein Herr, der

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