Erzbischof Albrecht, den zu Halle vorgekommenen Genuss desAbendmahls in beiderlei Gestalt bestrafte.
So geht es der Toleranz, der Kultur- und Friedensliebe zwi-schen den Feuern des Fanatismus. Es war Halle, das den erstenlutherischen Superintendenten hatte: Justus Jonas, der 1541dorthin kam und einer von denen war, die zu des Erasmus Kum-mer aus dem humanistischen Lager ins reformatorische übergegan-gen waren, wie auch Kelanchthon und Hutten. Hoch arger aberwar dem Weisen von Rotterdam der Hass, den Luther und dieSeinen den klassischen Studien zuzogen, von denen Luther per-sönlich wenig genug besass, die man jedoch als die Quelledes geistlichen Aufruhrs betrachtete. Was aber damals im Scho-sse der Weltkirche sich ereignete, der Aufstand subjektiverWillkür nämlich gegen die objektive Bindung, das sollte sichhundert und einige Jahre später innerhalb des Protestantismusselbst wiederholen: als Revolution der frommen Gefühle und derinneren himmlischen Freude gegen eine versteifte Orthodoxie,von welcher freilich kein Bettelmann mehr ein Stück Brothatte nehmen wollen; als Pietismus also, der bei Gründung derUniversität Halle die ganze theologische Fakultät besetzte.
Auch er, dessen Hochburg die Stadt dann lange blieb, war, wieeinst das Luthertum, eine Erneuerung der Kirche, eine refor-matorische Wiederbelebung der schon absterbenden, schon all-gemeiner Gleichgültigkeit verfallenen Religion. Und meines-gleichen mag sich wohl fragen, ob diese immer wiederkehrendenLebensrettungen eines schon zu Grabe sich Neigenden unter demkulturellen Gesichtspunkt eigentlich zu begrüssen, ob nichtdie Reformatoren eher als rückfällige Typen und Sendlingedes Unglücks zu betrachten sind. Es ist ja wohl kein Zweifel,dass der Menschheit unendliches Blutvergiessen und die entsetz-lichste Selbstzerfleischung erspart geblieben wäre, wennMartin Luther die Kirche nicht wiederhergestellt hätte.
Ungern würde ich es sehen, wenn man mich nach dem Gesagten
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