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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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der Lage nach ein warmer Mezzo-Sopran und in der Sprachbehand-lung, bei leicht thüringisch gefärbter Lautbildung, ganz ausser-ordentlich gewinnend. Ich sage nicht: "einschmeichelnd, weildarin etwas von Absicht und Bewusstheit läge. Dieser Stimm-reiz kam aus einer inneren Musikalität, die im übrigen latentblieb, da Elsbeth sich um Musik nicht kümmerte, sich sozusagennicht zu ihr bekannte. Es kam vor, dass sie, ganz nebenbei,auf der alten Guitarre, die einen Wandschmuck des Wohnzimmersbildete, einige Akkorde griff und auch wohl eine oder die an-dere abgerissene Strophe eines Liedes dazu summte; aber auf ei-gentliches Singen liess sie sich nicht ein, wiewohl ich wettenmöchte, dass hier das trefflichste Material zu entwickeln ge-wesen wäre.

Auf jeden Fall habe ich niemals lieblicher sprechen hören,obgleich, was sie sagte, stets nur das Einfachste und Sachlich-ste war; und meiner Meinung nach will es etwas heissen, dassdieser natürliche und von instinktivem Geschmack bestimmteWohllaut von der ersten Stunde an mütterlich Adrians Ohr be-rührt hat. Für mich trägt es zur Erklärung des unglaublichenKlangsinnes bei, der sich in seinem Werk manifestiert, wennauch der Einwand nahe liegt, dass sein Bruder Georg desselbenVorzugs genoss, ohne dass es irgendwelchen Einfluss auf dieGestaltung seines Lebens geübt hätte. Er sah übrigens demVater ähnlicher, während Adrians Physis viel mehr von seinerMutter hatte, - wozu es nun wieder nicht stimmen will, dasses Adrian war, der die Neigung zur Migräne vom Vater geerbthatte, und nicht Georg. Aber der Gesamthabitus des teurenToten nebst vielen Einzelheiten: der brünette Teint, der Augen-schnitt, die Mund- und Kinnbildung, alles kam von Mutters Sei-te, besonders deutlich solange er glattrasiert ging, also be-vor er sich den stark verfremdenden Knebelbart wachsen liess,was ja erst in späteren Jahren geschah. Das Pechschwarz dermütterlichen und der Azur der väterlichen Iris hatte sich in

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