ihres Scheitels und ihrer still und freundlich blickendenAugen nach hätte man sie für eine Welsche halten können, wennnicht doch eine gewisse germanische Derbheit der Gesichtsbil-dung dem widersprochen hätte. Es bildete ein ziemlich kurzesOval, dieses Gesicht, mit eher spitz zulaufendem Kinn, einernicht eben regelmässigen, leicht eingedrückten, vorn etwasaufgehobenen Nase und einem geruhigen, ohne Üppigkeit nochSchärfe geschnittenen Mund. Der die Ohren zur Hälfte bedecken-de Scheitel, von dem ich sprach, und der sich, während ichheranwuchs, langsam versilberte, war sehr straff gezogen, sodass er spiegelte, und die Teilungslinie über der Stirn dieweisse Kopfhaut blosslegte. Trotzdem hing - nicht immer undalso wohl nicht absichtlich - einiges loses Haar vor den Ohrensehr anmutig davon herunter. Der in unseren Kindertagen nochmassige Zopf war nach bäuerlicher Art um den Hinterkopf ge-schlungen und an Festtagen wohl von einem farbig gesticktenBande durchzogen.
Städtische Kleidung war so wenig ihre, wie ihres MannesSache; das Damenhafte stand ihr nicht an, ausgezeichnet da-gegen die ländlich-halbkostümliche Tracht, in der wir siekannten, der feste, wie wir sagten: eigengemachte Rock, eineArt von bordiertem Mieder dazu, dessen eckiger Ausschnittden einigermassen gedrungenen Hals und den oberen Teil derBrust freiliess, auf dem wohl ein einfacher, leichter Gold-schmuck lag. Die bräunlichen, an Tätigkeit gewöhnten, aberso wenig groben wie übergepflegten Hände, mit dem Ehereif ander Rechten, hatten,.ich möchte sagen: etwas so menschlichRichtiges und Zuverlässiges, dass man ihnen mit Vergnügen zu-sah, ebenso wie den bestimmt auftretenden, nicht grossen undnicht zu kleinen, rechtschaffenen Füssen in den bequemen Schu-hen mit flachen Absätzen und den grünen oder grauen Woll-strümpfen, die die wohlgebildeten Knöchel umspannten. Diesalles war angenehm. Das Schönste an ihr aber war ihre Stimme,
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