Druckschrift 
Das Wunderkind : Novellen
Entstehung
Seite
83
Einzelbild herunterladen
 

dieses kleine verwahrloste Geschöpf, das der Weinsentimental machte, den ganzen Abend zu dem jungenAvantageur hinüber schmachtete, der vorhin wegenMangel an Rhythmus vom Klavier vertrieben wordenwar. Seine müden Augen und die Art seines Spieleshatten es ihr angetan, er dünkte sie edel, poetisch undaus einer anderen Welt, während Baron HarrysSein und Wesen ihr allzu bekannt und langweiligerschien, und sie war ganz unglücklich und leiderfülltdarüber, daß der Avantageur seinerseits ihr nicht daskleinste Liebeszeichen gab...

Die tief herabgebrannten Kerzen brannten trübin den Zigarettenrauch, der in bläulichen Schichtenüber den Köpfen schwebte. Kaffeegeruch zog durchden Saal. Eine fade und schwere Atmosphäre, Fest-dunst, Geselligkeitsbrodem, verdickt und verwirrendgemacht durch die gewagten Parfüme derSchwal-ben" lagerte über allem, den weißgedeckten Tischenund Champagnerkühlern, den übernächtigen und aus-gelassenen Menschen und ihrem Gesumme, Ge-lächter, Gekicher und Liebesgetändel.

Baronin Anna sprach nicht mehr. Die Verzweif-lung und jenes furchtbare Beieinander von Sehn-sucht, Neid, Liebe und Selbstverachtung, das manEifersucht nennt und das nicht da sein dürfte, wenn