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Katechismus der Stilistik : eine Anweisung zur Ausarbeitung schriftlicher Aufsätze
Entstehung
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Zweites Kapitel. Besondere Regeln der Komposition. 161

525. Was ist über das Papier eines Briefes zu bemerken?

Wie man zu niemandem hingeht in unsauberer und

ungesäumter Wäsche, so schickt mau ihm auch keinen Briefauf unsauberem und unbeschnitteuem Papier. Und wie man,wenn man jemandem einen persönlichen Besuch machen will,je nach seinem Stande und der gegenseitigen persönlichenStellung das Festtagskleid, oder den Sonntagsrock, oder dasAlltagskleid wählt, so wählt man auch für einen Briefan Behörden u. s. f. Folioformat, für einen gewöhnlichenGeschäftsbrief Quartformat, und mag sich für einen ver-traulichen Brief mit Qktavformat begnügen.

Freilich findet das Oktavformat jetzt eine weiter gehende An-wendung, indem es einerseits der neueren Richtung des Schreibensund Drückens folgt und andernteils sich der Gestalt der zu Kaufgebotenen Umschläge anschließt.

526. Was ist über die Schrift eines Briefes zu bemerken?

Daß namentlich in einem Briefe eine lesbare Handschrift

durchaus erforderlich und eine schöne Handschrift sehrwünschenswert sei ss. Fr. 275 ff.), sahen wir schon. Hierist noch, was die äußere Regelung der Schrift betrifft, zubemerken, daß bei der Schrift eines Briefes oben, unten undan der linken Seite hinunter ein weißer Rand gelassen wird.

Wie der Briefschreiber bei der Wahl des Papierformats sich nachder Persönlichkeit, an welche er schreibt, richtet, so muß dasselbe inBeziehung aus die Breite des freigelassenen Randes geschehen. Inschriftlichen Eingaben an Behörden u. s. f. wird die linke Hälftejeder Seite des Papiers freigelassen, damit für den Referenten Raumsei, die nötigen Notizen sofort bei dem Lesen der Eingabe an denRand zu schreiben. Wenn in vertraulichen Briefen zuerst ein, etwazwei bis drei Finger breiter, freier Rand da war, derselbe abernachher doch noch beschrieben wurde, so ist die Entschuldigung mitder Rücksicht auf Portoersparung keine genügende, da der freie Raumvon Anfang an hätte benutzt werden können, und hier gilt dasselbe,was (s. Fr. 506) überPostskripte" gesagt ist.

527. Was ist über das Zusammensalten eines Briefes zubemerken?

Bei dem Zusammenfalten eines Briefes ist dreierlei zubemerken, nämlich daß der Brief durch dasselbe eine einfache

Michelfen, Stilistik. 3. Aust. H