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Katechismus der Stilistik : eine Anweisung zur Ausarbeitung schriftlicher Aufsätze
Entstehung
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Zweites Kapitel. Besondere Regeln der Komposition.

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439. Wie verhalten sich denn „Erklärungen" zu den bereitsbesprochenen Stilübungen?

Die drei bereits besprochenen Stilübungen haben zurAufgabe, die äußere Erscheinung oder die Form der Dinge,wie sie ist oder gedacht wird, entweder zu erzählen oder zubeschreiben, sei dies nun einfach oder vergleichend. Die Auf-gabe des Erklärens geht von dem konkreten Gebiete, wo dieDinge, wie sie sind, angeschaut werden, zu dem abstraktenGebiete über, wo von der wirklichen Erscheinung abgesehenund gefragt wird, was die Dinge bedeuten. Also tritt mitder „Erklärung" eine absolut höhere Stilübung ein.

440. Wie verhalten sich die genannten verschiedenen Stilartenin den wirklichen Aussätzen zu einander?

Es kommen, wie schon bemerkt, in den wirklichen Auf-sätzen die verschiedenen Arten der Stilübung in der Regelnicht rein voneinander geschieden vor, weil der spezielleZweck des wirklichen Aufsatzes eine solche reine Scheidungnicht zuläßt. Dieselben müssen aber dennoch in der Kunst-lehrerein voneinander geschieden werden, weil die Stilübungin ihren einzelnen Abschnitten nur dann gelingt, wenn derVerfasser sich ihrer mit vollem Bewußtsein bedient.

ES liege z. B. das Thema „Schilderung des großen Brandesvon Hamburg" vor. Dieser Aufsatz ist allerdings in seinem Haupt-charakter ein beschreibender, aber er wird auch erzählen müssen, wieder Brand von Tag zu Tage seinen Verlauf nahm, es wird demVerfasser nahe liegen, die zerstörende Gewalt des Feuers mit derdes Wassers zur Veranschaulichung zu vergleichen, und er wird eserklären müssen, was „Sprengungen" bedeuten rc. Dasselbe zeigtsich, wenn auch minder bervortretend, in jedem Beispiele eineswirklichen Aufsatzes.

441. Weshalb nannten wir die Erklärung eine „absoluthöhere" Art der Stilübung?

Weil es dem natürlichen Entwickelungsgange jedesVolkes, wie jedes einzelnen gemäß ist, daß die konkrete An-schauung, oder die Anschauung des Wirklichen, welche demErzählen, Beschreiben und Vergleichen seinen Stoff giebt,