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Katechismus der Stilistik : eine Anweisung zur Ausarbeitung schriftlicher Aufsätze
Entstehung
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Dritter Teil. Komposition.

ist, sofort eine relative Befähigung zum eigenen Schreiben, und eskommt zuvorderst besonders darauf au, daß das Bewußtsein derBefähigung geweckt wird.

267. Wo ist die Grenze der Uelmng im Wiedererzahlen zusetzen?

Aus der wesentlichen Verbindung des Sprechens undDenkens erklärt es sich ferner, daß jeder einzelne zwar demSprachgebrauche sich fügen muß (s. Sprachlehre Fr. 14,15),aber doch, wenn er sich zu einer wirklichen geistigen Persön-lichkeit entwickelte, auch einen ihm eigentümlichen Stil, d. h.sprachliche Art des Ausdrucks, hat. Der Stil soll, wie wirFr. 35 schon andeuteten, angemessen sein sowohl der dar-gestellten Sache als auch dem Geiste und Charakter desDarstellenden. Der Stil hat eine sachgemäße (objektive) undeine charaktervolle (subjektive) Seite. Wer bloß eine Sachegewandt darzustellen weiß, ohne daß dabei sein Charakterzum Vorschein kommt, besitzt eine Fertigkeit, aber er hat keinenStil. Wer in seiner Darstellung nur seinen Charakter zumVorschein bringt, ohne daß dabei der Inhalt der Sache zuseinem Rechte kommt, hat ebenso wenig Stil. Denn weralles nach seiner Form behandelt, hat eine Manier, undjede Manier ist so einseitig, wie anderseits die von außenher aufgezwungene Dressur. Wenn also das Wiedererzühlenüber den angegebenen Zweck hinaus stets fortgesetzt wird, sokann die freie Entwickelung des eigenen Stils dadurch inGefahr gesetzt werden.

Es ist bekannt, daß die Volksstimme geneigt ist, über denmoralischen Charakter von Schauspielern hart zu urteilen. Insolchem Urteile liegt, so ungerecht eS im einzelnen Falle auch seinkann, jedenfalls die Wahrheit, daß auch die freie Entwickelungeines moralischen Charakters dadurch gefährdet wird, wenn jemandimmer wieder sich aufgefordert sieht, einen fremden moralischenCharakter an seiner eigenen Persönlichkeit darzustelleu.

268. Weshalb liegt aber diese Grenze des Wicdererziihlciisweit hinaus?

Weil es sich um die Entwickelung des eigentümlichenStils erst dann handelt, wenn die Entwickelung der geistigen