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Katechismus der Stilistik : eine Anweisung zur Ausarbeitung schriftlicher Aufsätze
Entstehung
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Zweites Kapitel. Innerliches Znrechtlegen des gesammelten Stoffes. 85

der schematischen Form alszusammenhängenden Entwurf"niederzuschreiben.

Demnach wurde die vorstehende Disposition etwa lauten:

Wer fest zu stehen glaubt, befindet sich in der gefährlichstenSelbsttäuschung!" und es kann solches nie genug bedacht werdendein Spruche gegenüber:Böse Gesellschaften verderben gute Sitten!"

Unser Seelenleben ist einem steten Wechsel unterworfen, undzwar sowohl durch dasjenige, was ans dasselbe einwirkt, als durchdasjenige, was ans demselben hervorgeht. Was in unserm Seelen-leben das Bleibende ist, das nennen wir unfern Charakter, welchersich sowohl zeigt durch die Art, wie wir Eindrücke ausnehmen, alsdurch die Art, wie wir Entschlüsse fassen. Wie bildet sich unserCharakter? Durch den Wechsel unseres Seelenlebens, und zwarsowohl ohne unser Wissen, als mit unserem Wissen. Also ist derEinfluß des Umganges mit Bösen auf die Gestaltung unsereseigenen Seelenlebens unvermeidlich, und zwar sowohl in unseremeigenen Bewußtsein, wie es sich gestaltet nach innen herein undnach außen hinaus; sowie auch in dem Urteile, das wir fällen, seies über uns selbst, sei es über andere; wie endlich auch in unserenWillensentschlüsscn, in dem, was wir thnn, und in dem, was wirunterlassen.

Diese Wahrnehmung bestätigt sich nicht minder in unserenErfahrungen, sowohl in den allgemeinen an uns selbst und ananderen, wie in einzelnen Erfahrungen. Wir finden es bestätigtin den Erfahrungen an uns selbst, nämlich in unserem allgemeinenVerhalten, sowohl in Freuden, als auch in Leiden, und auch inden Stunden der Selbstprüfung, mögen dieselben uns von außenher aufgeuötigt werden, oder mögen wir sie erleben durch freiwilligeneigenen Entschluß. Wir finden aber dieselbe Bestätigung in denErfahrungen, die wir an anderen machen; und zwar sowohl in derArt ihres eigenen Wesens, wie in ihren: Verhalten gegen andere.Wir finden endlich dieselbe Bestätigung in einzelnen Wahrnehmungen,denn jeder ist zum Nachahmen geneigt, daher ahmt das Kind denErwachsenen, der Arme den Wohlhabenden, der Niedere den Höherennach, und besonders wird die Neigung zum Nachahmen des Bösenbefördert durch das lockende Bild des Bösen, wie durch den zurück-schreckendeu Ernst des Guten, wie beides uns entgegentritt in demäußeren Wesen und in den scheinbaren Folgen.

Was fordert solche Wahrnehmung von uns? Vorsicht in derWahl unseres Umganges! Vorsicht während unserer Jugend, undzwar sowohl im täglichen Umgänge, wie in den Stunden der Er-heiterung; Vorsicht in unseren männlichen Jahren, und zwar inunserem allgemeinen Geschäftsverkehre, wie namentlich bei besonderenVeranlassungen; sowohl solchen, welche im täglichen Lause des