Erstes Kapitel. Allgemeine oder stetige Ausgabe der Invention. 33
97. Wie gelangen wir zu einer solchen Erkenntnis des Um-fanges eines Begriffes?
Unter Umfang eines Begriffes verstanden wir fs. Fr. 89)den Kreis von einzelnen Dingen, auf welchen der betreffendeBegriff anwendbar ist. Und zu der Kenntnis dieses Kreises,also zur Erfüllung der zweiten Aufgabe des logischen Stoff-sammelns, gelangen wir dadurch, daß wir den durch Erfüllungder ersten Aufgabe definierten Begriff an die betreffendehistorische Stoffsammlung, an Merkbuch und Gedächtnis,heranführen und fragen: „Wo und wie fanden wir den alsobegrenzten Begriff angewandt?"
Nehmen wir das in Fr. 93 und 94 angeführte Beispiel wiederauf! Wir würden dann etwa, mit Hilfe unseres Merkbuches oderGedächtnisses, fragen:
a) Woher kommt's, daß unter denjenigen, welche als die erstenBeförderer der menschlichen Kultur genannt werden, auchKünstler (Orpheus rc.) sich befinden?
b) Woher rührt es, daß einzelne Handwerker (Stubenmalcr, Uhr-macher :c.) sich oft gern „Künstler" nennen hören?
os Wann hat auch ein Porträtmaler Anspruch auf den Ramm„Künstler"?
<l) Welche Künste haben auf die Förderung der Industrie amheilsamsten eingewirkt?
s) Wann wird die Musik, der Tanz rc. eine Kunst genannt, wosie doch nur eine „Fertigkeit" genannt werden sollte?
U. dergl. m.
98. In welchem Verhältnisse steht demnach das allgemeinelogische und das historische Stosssammeln zu einander?
Nach Fr. 97 in dem Verhältnisse, daß das logischeStoffsammeln in seiner zweiten Aufgabe an das historischGesammelte herantritt, um dieses für die Ausarbeitungeigener schriftlicher Aufsätze recht nutzbar zu machen. Vonder andern Seite giebt aber auch das logische Stoffsammelndem historischen heilsame Fingerzeige, wie es zu verfahrenhabe, und lebhafte Aufforderungen zum Fleiße, wie umge-kehrt dem logischen Stoffsammeln aus dem historischen auchder zu seinem eigenen Verfahren nötige und fördernde Stofsdargereicht wird.
Michelsen, Stilistik. 8. Aufl.
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