Von der Gedächtniskunst überhaupt.
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1. Übung und Anstrengung. Am besten übt mansich zuerst an Gedichten, dann an prosaischen Aufsätzen,Reden, und zuletzt an Schwererem, z. B. wissenschaftlichenAbhandlungen, Sprachen re.
2. Vieles Auswendiglernen, Denken, undzwar, wenn es sein kann, täglich; dies ist von größterWichtigkeit. Man fange zuerst mit Wenigem an, vermehredie Aufgabe täglich um eine Zeile, so wird man es unmerklichbald sehr weit bringen.
3. Schneller geht das Auswendiglernen von statten,wenn es schweigend geschieht. Drängen sich andere Gedankenhinzu, so ist die leise Stimme ein gutes Erregungs-mittel für das Gedächtnis; eine zweifache Bewegung,nämlich Hören und Sprechen, weckt dann das schlummerndeErinnerungsvermögen; doch sei hierbei die Stimme nurleise und eher murmelnd.
4. Man prüfe sich während des Lesens, ob man daszuletzt Gelesene behalten habe; das Behaltene wird hierbeiwiederholt, und das Entfallene von neuem eingeprägt.Memoriert man nach dem Vortrage oder der Vorlesungeines Andern, so prüfe man sich bei jedem Wiedervorlesen,indem man mit dem Vorleser gleichsam wetteifert. Erlaubtes die Zeit, so memoriere man
5. wörtlich; außerdem präge man sich bloß denwesentlichen Inhalt des Gehörten oder Gelesenen fest ein,und ergänze dann beim Auswendig-Hersagen das Übrige vonWorten aus dem Stegreife. Vorzüglich sollen sich Knabenan das wörtliche Auswendiglernen gewöhnen.
6. Gegen sich selbst dulde man keine Nachsicht beimMemorieren, denn von Anderen Erinnertwerden, oderHineinsehen in das Buch, während man das Auswendig-zulernende rezitiert, bringt keine Ehre. Hat man von Naturaus ein schwerfälliges Gedächtnis, oder fehlt es an Zeit, sobinde man sich nicht ängstlich streng an die Wörter, sondernhalte sich mehr an den Hauptinhalt des zu Memorierenden.